Hinter den Kulissen einer Elite-Uni

10:08 Uhr am 13. Oktober 2006: Im Rektorat der Uni Karlsruhe knallen die Sektkorken.


Eben kam die Nachricht, dass unsere Uni zu den ersten drei Leuchttürmen der deutschen Forschung gehört. Bei den 18000 Studis öffnen sich die Kronkorken, in der Annahme, dass nun der Honig in Bächen fließt und sich die Baden-Metropole in der Champions-League mit Yale und Harvard um den Titel kloppt. Darüberhinaus erwartet der neu geborene Elite-Student ab sofort, dass auch Linie 1 in der Mensa von dem Feinkosthändler Käfer beliefert wird und dass im Audimax der Eismann vor jeder Vorlesung sein Magnum anbietet. 18 Monate später: Kein Kaviar, kein Eismann und kein ChampionsLeaguetitel. In der Zwischenzeit ist jedoch wenig Exzellentes passiert und so ist fast in Vergessenheit geraten, dass wir zu den nunmehr acht Top-Unis Deutschlands (die B-Elite mitgezählt) gehören. Ein Überbleibsel der anfänglichen Euphorie sind noch diverse StudiVZ-Gruppen: Diese reichen von „Ich bin Elitestudent und sauf dich trotzdem untern Tisch, Pussy!“ bis hin zu „Ich bin Elitestudent, ich bin schlauer als wie du!!!“.

Der Rest der Euphorie wich der Erkenntnis, dass die Gelder hauptsächlich in Forschungsprojekte fließen und nicht dazu verwendet werden, die Leere in der Lehre zu verbessern. Hinter den Kulissen der Elite-Uni hat sich wenig getan: Nichts Neues also in den Hörsälen. Außer dass viele Abiturienten und Studieninteressierte dem Sirenen-Gesang der Elite-Uni erliegen und das vermeintlich exzellente Image der Uni für ihren eigenen Lebenslauf ausnützen wollen. Sie hoffen auf bessere Berufsausichten, wenn sie später auf dem Schreibtisch des Personalchefs mit Absolventen von der Uni Hintertupfing konkurrieren müssen. Diesem Mechanismus fiebern gerade realtiätsnahe Naturen entgegen, dass der Stempel „Gewinner der Exzellenz-Initiative“ neben dem Uni-Logo den Personaler dazu bewegt, den Kandidaten auf den Arbeitsplatz zu winken, obwohl dieser sich nicht durch großartige Exzellenz im Wissen auszeichnet, sondern nur durch elitäres Auftreten und Rollenspielen auffällt.

Besondere Erwartungen in die Lehre kann die Uni, die dem großen Publikumsandrang schon lange nicht mehr gewachsen ist, aber leider nicht erfüllen. Der Putz bröckelt von den Wänden der übervollen Hörsäle und die Suche nach dem Eismann bleibt immer noch ohne Erfolg.

Die universitäre Lehre ist den Entscheidungsträgern endgültig zu bloßen Statisten der Aufführung der eigenen Göttlichkeit verkommen. Lieber sonnt man sich in millionenschweren Forschungsprojekten und konzentriert sich auf teuer gesponsorte Sommerfeste. Dort kann man lernen wie das heute mit der Elite-Sache so funktioniert: Viel Lärm um Nichts.

Hans-Georg Kluge und Anna Weißhaar

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