Stadt buhlt um neue Bürger

Erstwohnsitzkampagne geht in die zweite Runde

Bereits im September letzten Jahres berichtete KA.mpus über die Erstwohnsitzkampagne der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH. Im kommenden Sommersemester läuft die Aktion weiter, die sich bisher großer Resonanz erfreut.


Seit Oktober 2007 läuft die Erstwohn­sitzkampagne, mit der Studierende als neue, offizielle Bürgerinnen und Bürger von Karlsruhe gewonnen werden sollen. Wer seiner Meldepflicht nachkommt und sich beim Bürgerservice und Sicherheit (BuS) ummeldet, dem winkt ein Geschenkpaket im Wert von mehr als 160  €. Darin enthalten ist ein Semesterticket des KVV (derzeit 107,50  €), Einkaufsgutscheine für 50  € sowie ein Buch über Karlsruhe im Wert von 10  €. Mit Immatrikulationsbescheinigung, Personalausweis und, falls vorhanden, Reisepass gewappnet, kann man die Ummeldung in den Bürgerbüros in der Kaiserallee 8 und Steinhäuserstraße 22 vornehmen und das Geschenkpaket entgegennehmen. Bis Ende November 2007 wurden zusätzlich die Karlsruher „Studi-Bikes“ verlost: 600 glückliche Gewinnerinnen und Gewinner erhalten ihr Exemplar der eigens für diese Aktion gestalteten Räder zwischen Mitte April und Mitte Juni. Aktuell findet die zweite Verlosung bis vorrausichtlich Ende April statt, so gibt es das Stadtmarketing im Internet bekannt.

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Eine Erfolgsgeschichte

Um den Studierenden die Formalitäten noch mehr zu erleichtern, wurde anfangs ein mobiles Bürgerbüro in der Mensa am Adenauerring eingerichtet; dies ist auch für das kommende Semester geplant. Am 16. Januar wurde bereits die 3.333. „Studenten-Neubürgerin“ im Bürgerbüro im Rathaus West begrüßt. Die Zahl der Neuanmeldung steigt weiter, allerdings naturgemäß nicht so stark wie zu Beginn des Semesters. Eine ähnliche Aktion lief bereits anlässlich des Stadtgeburtstages im Jahr 2004.

Studentenstadt Karlsruhe

Aber woher kommt es, dass die Fächerstadt ihre Neubürger so spendabel umwirbt? Vordergründig handelt es sich um eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung für Karlsruhe: Mit jeder neuen Bürgerin und jedem neuen Bürger erhöht sich die Einwohnerzahl und damit auch automatisch die Mittel, die die Stadt im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs erhält. Momentan sind das ca. 1 000  € pro Anmeldung und Jahr. Da kann man die 160  € gut abdrücken, könnte man meinen… Ganz so platt sollte ist die Sache allerdings nicht zu sehen: Die zusätzlichen Mittel stehen der Stadt zur Verfügung, um die Infrastruktur zu verbessern und um zum Beispiel in die Studentenwohnheime zu investieren. Dies alles geschieht nicht zufällig, sondern mit Konzept. Im „Karlsruhe Masterplan 2015“ ist die „Studentenstadt Karlsruhe“ als ein Leitprojekt festgeschrieben. Die Erstwohnsitzkampagne ist ein erster Schritt auf diesem Weg und weitere werden folgen, um das studentenfreundliche Umfeld stetig auszubauen. Wichtige Ziele sind ein ausreichendes Angebot an günstigen Wohnungen und Kinderbetreuungsplätzen zu schaffen sowie die studentische Szene und hochschulübergreifende Netzwerke zu unterstützen.

„Die Studierenden sind eine wichtige gesellschaftliche Gruppe in Karlsruhe, unter anderem auch für das soziale Profil der Stadt und ein Garant für besondere Lebendigkeit“, meint Holger Jagiella, Geschäftsführer der Stadtmarketing GmbH. „Karlsruhe ist stolz auf seine exzellente Forschungs- und Hochschullandschaft, da gehört das studentische Leben einfach mit dazu“. Die Studierenden seien außerdem ein unverzichtbarer „Quell“ hochqualifizierter Fachkräfte, besonders für die in Stadt und Region ansässigen Unternehmen. Absolventen, die Karlsruhe verlassen, fungierten als Botschafter der Stadt in aller Welt. „Umso mehr liegt der Stadt daran, dass sie sich während ihres Studiums hier wohl fühlen. Denn nur dann kann man ein guter Botschafter sein“, so Jagiella weiter.

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Die 3333. “Studenten-Neubürgerin” nimmt ihr Geschenkpaket entgegen. Quelle: Roland Fränkle, Bildstelle der Stadt Karlsruhe

Warum ummelden?

Wenn es um die Ummeldung des Hauptwohnsitzes geht, geistern so manche Gerüchte durch die Welt. Viele Eltern warnen ihren Nachwuchs, sich am Studienort anzumelden, weil sie Nachteile beim Bezug des Kindergeldes oder das Einbüßen von Steuervorteilen befürchten. Von Kommilitonen hört man auch gerne den Satz, dass man sowieso keine Vorteile davon hätte.

Beides ist falsch. Das Stadtmarketing weist in Flyern und auf der Website explizit darauf hin, dass der Kindergeldanspruch ebenso wie die steuerlichen Vergünstigungen den Eltern erhalten bleiben, auch wenn das Kind nicht mehr im selben Haushalt wohnt. Außerdem ist die Kranken-, Pflege-, Renten- und Lebensversicherung vom Hauptwohnsitz unabhängig. In der elterlichen Haftpflichtversicherung sind Studierende aus dem Inland im Allgemeinen bis 25, teils auch bis 27 Jahren, mitversichert, ebenfalls unabhängig vom Wohnort. Darüber hinaus können viele Amtsgänge und Formalitäten nur am Hauptwohnsitz erledigt werden: Ausweise sowie Pässe werden nur am Hauptwohnsitz ausgestellt und geändert. Einen Bewohnerparkausweis bekommt man nur als Hauptwohnsitzler und ein eigenes Auto muss sowieso am Ort der Hauptwohnung zugelassen werden. Schließlich wird am ersten Wohnsitz die Lohnsteuerkarte ausgestellt und die Steuererklärung beim örtlichen Finanzamt eingereicht. Es bleibt eigentlich nur ein Punkt übrig, bei dem man zwischen seiner alten und seiner neuen Heimat abwägen muss: Das Wahlrecht kann ausschließlich am Hauptwohnsitz ausgeübt werden.

Fazit: positiv

Das bisherige Resümee der Erstwohnsitzkampagne fällt äußerst positiv aus. Mehr als 3.000 Studierende, die sich umgemeldet haben, können als durchschlagender Erfolg gewertet werden.

Das Gelingen dieser Aktion lässt sich auf die intensive Werbung und den Anreiz durch das Geschenkpaket zurückführen. Eines steht in jedem Fall fest: Hätte die Stadt allein auf die Pflicht der Studierenden gepocht, sich innerhalb einer Woche beim neuen Wohnsitz anzumelden, wäre nicht viel erreicht worden. So ist aber eine Win-Win-Situation entstanden, sowohl für die Stadt als auch für die Studierenden.

Björn Fitzner
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Eine Reaktion zu “Stadt buhlt um neue Bürger”

  1. Sarah

    Hey Björn!
    Netter Artikel, aber wenn ich Dich das nächste Mal sehe, muss ich Dich leider auf einige Unstimmigkeiten und – nennen wir’s “Unwahrheiten” – aufmerksam machen. Ich hab mit dem Stadtmarketing und mit Eidenmüller bezüglich der Erstwohnsitzkampagne zu tun und kann Dir sagen: Es ist nicht alles Gold, was glänzt und das schon gar nicht. Beim nächsten Mal schauste einfach vorher im UStA vorbei, da kann man Dir auch die andere Seite schildern.

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