radio//fri

Seit 1996 geht es jeden Montagabend auf Sendung: radio//Fri, das Campusradio der Universität Karlsruhe. Dr. Stefan Fuchs, Kultur- und Wissenschaftsjournalist des Deutschlandfunks und des SWR, begleitet das Projekt und vermittelt den Redaktionsmitgliedern das nötige Know how. Wir sprachen mit ihm über das Radio im Allgemeinen die Geschichte von radio//Fri im Besonderen.

Worin liegen die Vorteile des Radios im Vergleich zu anderen Medien?

Beim Radio kann man oft hemdsärmeliger, also ungezwungener an Themen herangehen. Rundfunk funktioniert anders als die Bild- und Printmedien. Diese haben oft viel Beiwerk, das beim Radio nicht nötig ist. Stattdessen kann man sich direkt auf den Kern des Themas konzentrieren. Bildmedien unterliegen immer dem Zwang, alles zu visualisieren. Das Radio dagegen wendet sich an das Ohr, das kulturell noch nicht so überformt ist wie das Auge. Das Hören ist unmittelbarer als das Sehen, denn hier fehlt die Distanz, die das Auge vom betrachteten Objekt trennt.

Welche Eigenschaften muss ein guter Radiojournalist mitbringen?

Wichtig ist – wie überall im Journalismus – die Neugierde auf die Aufbereitung ganz unterschiedlicher Themen. Beim Radio ist eine gute Kommunikationsfähigkeit hilfreich, mehr noch als in anderen journalistischen Bereichen. Ein gewisses Maß an Extrovertiertheit schadet natürlich auch nicht.

Besitzen alle radio//FriMitglider diese Eigenschaften?

Einige mehr, einige weniger. Aber neben unseren wöchentlichen Redaktionssitzungen gibt es regelmäßige Kurse und Workshops zu Themen wie Sprechtraining, Audioschnitt oder Sendemoderation. In denen wird das nötige Wissen vermittelt und die Redaktionsmitglieder für das Mikrofon fit gemacht. Ziel der Radioredaktion ist die Schaffung einer Plattform, auf der die Hochschulmitglieder ihre Meinung austauschen können. Daneben hat auch die Ausbildung einen sehr hohen Stellenwert, denn Ziel dieser Veranstaltung ist die Vermittlung von Medienkompetenz und nicht zuletzt das Machen einer guten und professionellen Radiosendung.

Wer kann bei radio//Fri mitarbeiten?

Die Mitarbeit steht allen Mitgliedern der Uni und der anderen Hochschulen in Karlsruhe offen. Also Studierenden, Mitarbeitern der Verwaltung und auch Professoren und Lehrbeauftragten. Bis jetzt setzte sich die Redaktion aber vor allem aus Studierenden der Universität zusammen. Viele Mitglieder stammten aus dem aufgelösten Studiengang Journalismus, aber auch Studierende aus den technischen Fächern finden immer häufiger ihren Weg zu uns. Wer bei uns reinschnuppern möchte, kann dies jederzeit gerne tun. Unser Studio befindet sich im Vortragsraum der neuen Bibliothek im dritten Obergeschoss, Redaktionssitzung ist jeden Montag ab 17 Uhr.

Können sich die Studierenden ihre Arbeit bei radio//Fri als Studienleistung anrechnen lassen?

Natürlich, hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann die Mitarbeit als berufsorientierte Zusatzqualifikation (BOZ) angerechnet werden. In einigen geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengängen ist es Pflicht, solch ein BOZ zu absolvieren. Zum anderen besteht mit den Studiengängen Maschinenbau und Elektrotechnik die Vereinbarung, sich die Mitarbeit als nichttechnisches Wahlpflichtfach anrechnen zu lassen. Wir hoffen, diese Vereinbarung auch auf andere technische Studiengänge ausbauen zu können. Denn der bloße Spaß am Radiomachen bietet in der Regel nicht genug Motivation für eine Teilnahme an der Radioredaktion. Dafür ist die Belastung durch das Studium zu hoch, aber die mögliche Anrechnung der Leistung im Studium ist dann doch für viele ein Ansporn. Eine Bescheingung im Rahmen des Studium Generale des Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft, kurz ZAK, ist ebenfalls möglich.

Mit welchen Themen befasst sich radio//Fri?

Die Themenvorschläge stammen von den Redaktionsmitgliedern. Und da diese keine Lust haben, immer nur über Stundenpläne und das Mensaessen zu reden, behandeln wir nicht nur Uni-Themen, sondern alle möglichen Aspekte, die die Studierenden interessieren. Dazu gehören auch kontroverse Themen. So hatten wir zum Beispiel mal eine Mitarbeiterin der Uni zu Gast, die die Astrologie zu ihren Hobbies zählte und haben sie mit einem Physikprofessor diskutieren lassen, der davon überhaupt nichts hielt. Das entsprach vielleicht nicht ganz dem Anspruch einer Universität, trotzdem war es doch eine der Sternstunden von radio//Fri.

Wie kann man radio//Fri empfangen?

Unsere Sendung läuft jeden Montagabend von 17 bis 18 Uhr auf 104,8 FM. Außerdem sind wir dabei, einen Podcast einzurichten, damit man die Sendungen zeitunabhängig im Netz hören kann. Die Durchführung der wöchentlichen Sendung ist auch eine der großen Herausforderungen: Wir müssen eben jede Woche eine Stunde Sendung sinnvoll füllen, egal, ob vorlesungsfreie Zeit oder ein Feiertag ist. Das ist die Pflicht, die mit der Übernahme eines solchen Sendeplatzes verbunden ist.

Wie sieht die Zukunft von radio//Fri aus?

Der Umzug aus dem Keller des Gebäudes für Nachrichtentechnik im Wintersemester 2006/07 in die Bibliothek war schon eine große Erleichterung für uns. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, das auch Angehörige anderer Hochschulen bei radio//Fri mitarbeiten und die Themen noch breiter gefächert werden.

Sebastian Felske

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