V wie verdammt

14. Februar, was war da noch mal? Ach ja. Valentinstag.

Ein Tag, der zwanghaft versucht, Liebe zu konzentrieren, sie einzuquetschen. Überall sieht man nur rot und das in Form von roten Plüschherzen, roten Rosen, roten Handwärmern, roten Teddybären und allen andern erdenklichen roten Staubfängern. Rot ist die Farbe der Liebe – aber auch der Aggression. Und ich werde aggressiv, wenn ich die Leute sehe, die am 14. Februar auf den letzten Drücker hilflos und ziellos durch die Stadt rennen. Als hätte jemand zur Jagd nach dem ultimativen Liebesbeweis geblasen. Meine Pärchenfreunde nerven mich mit ihren verzweifelten „ich weiß immer noch nicht, was ich kaufen soll“–Aussagen. Und am 15. muss ich dann den einen Teil des Pärchens (meistens den weiblichen) trösten, weil er leer ausgegangen ist. Freut euch doch! Denn alle anderen unterliegen dem gesellschaftlichen Zwang, der mal wieder von den Medien verbreitet wird, bei diesem Verbraucherspiel mitzumachen. Das Fernsehen entpuppt sich Anfang Februar als eine Valentins-Hochburg. Ich darf jetzt „Ferrero Küsschen“ und „Mon Cherie“ offiziell auch als Geschenk betrachten, denn die Verpackung hat sich kurzerhand in Herzform verwandelt. Welch Glück! Denn ist es nicht so: Wer die besten Ideen hat und das meiste Geld ausgibt, hat gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Wieso brauche ich einen Tag, um meine (angebliche) Liebe deutlich zu machen? Und wieso muss ich sie sogar materialisieren? Ist die Liebe denn nicht ein Gefühl, das ich durch mein Verhalten am besten ausdrücken kann? Der Valentinstag aber ist ein Datum, an dem mir vorgegeben wird, wie ich mich gegenüber meinem Lieb­sten verhalten soll und muss. Nur weil – wie Wikipedia mir weismacht – am 14. Februar in den Kirchen die Ankunft Jesu als himmlischer Bräutigam zur „Himmlischen Hochzeit“ gefeiert wurde. Aha. Vorsicht: nicht zu verwechseln mit dem als Märtyrer gestorbenen heiligen Valentin! Der war nämlich Schutzpatron gegen Ohnmacht und Epilepsie… Heute jedoch feiern die Blumenhändler ihren himmlischen Triumph über die Liebenden. Die Preise, besonders für rote Rosen, steigen pünktlich ins utopische. Frauen lieben Geschenke.

Wer seine Liebe ernst meint, der schenkt Kleinigkeiten übers Jahr verteilt. Denn Überraschungen und Aufmerksamkeitsbeweise können sich positiv auf die Beziehung auswirken. Wenn dafür aber ein 14. Februar nötig ist, dann ist was faul, dann gibt es keine Rettung mehr. Denn dieser 14. Februar, das ist ein Tag für alle, die ihre Liebe und Zuneigung nicht offen zeigen können, die dafür zu Hilfsmittel greifen müssen, die zu stumm sind, ihre Liebe auszusprechen, die zu feige sind, zu ihren Gefühlen zu stehen. Schenkt euren Liebsten heute, morgen oder am 25. März etwas – ist doch egal. Denn für die Liebe gibt es nicht nur einen einzigen Tag. Verdammnis für den Valentinstag!

Irina Timm

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Eine Reaktion zu “V wie verdammt”

  1. Patrick

    Genau meine Meinung :) *unterschreib*

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