Orient und Okzident

Professor Thum und die Interkulturelle Germanistik

0712_thum.jpgAn unserer technikorientierten Uni, an der die Geisteswissenschaften gelegentlich ins Hintertreffen zu geraten drohen, fungiert Professor Thum nicht nur als Schnittstelle zwischen den Geisteswissenschaftlern und den Multimedia-Studenten, sondern auch zwischen Orient und Okzident.


Im Jahr 1998 wurde auf Initiative von Professor Thum mit dem Studienzentrum Multimedia (SZM) eine Kompetenzstelle für die Aktivitäten im Bereich Multimedia der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultät eingerichtet. Vorrangiges Ziel war es, einen Raum zu schaffen, in dem die methodische und diskursive Arbeit der GeisteswissenschaftlerInnen mit den gestalterischen und verbreitungstechnischen Möglichkeiten der neuen Medien zusammen geführt werden können, um so neue Wissensräume zu erschließen.

Gestaltung neuer Wissensräume

Diese bleiben notwendigerweise nicht auf die Kooperation zwischen den unterschiedlichen Bereichen beschränkt, sondern wurden durch zahlreiche Projekte auf den arabischen Mittelmeerraum ausgedehnt. Denn zum einen, wie Professor Thum gerne sagt, „ist die interkulturelle Zusammenarbeit der Königsweg der Interkulturalität“, zum anderen bieten insbesondere die neuen Medien die Möglichkeit eine Kulturgrenzen überschreitende Lehre zu unterstützen. Durch den interkulturellen Dialog auf Hochschulebene können so elektronisch gestützte interkulturelle Wissensräume etabliert und gefördert werden.

Die Projekte: Förderung der Interkulturellen Kommunikation

Zur Förderung des interkulturellen Dialogs leistet auch die Universität ihren Beitrag, indem mehrere Projekte mit tunesischen und marokkanischen Universitäten betrieben werden. Die so genannten „euro-mediteranen Medienpartnerschaften“ werden insbesondere durch das SZM, unter Professor Thums Schirmherrschaft, gestützt. Die Projekte umfassen nicht nur die gemeinsame Konzeption und Produktion eines multimedialen Lehr- und Lernprogramms zum Thema Kultur, Interkulturalität und Tourismus in Tunesien und Deutschland, sondern auch ein gemeinsames, durch eine Internetplattform gestütztes Seminar zur euro­päisch-arabischen Ideengeschichte für Studierende in Karlsruhe und Tunesien. Des Weiteren wird an der Entwicklung von kulturwissenschaftlichen Lehrinhalten für das universitäre Intranet einer Universität in Marokko gearbeitet.

Das A und O: ein Wiki

Den Projekten wird jenseits des Mittelmeers große Bedeutung beigemessen: Im Maghreb wird bis in die höchsten Stellen mit den neuen Medien gearbeitet; dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass die Arbeit, die Professor Thum auf dem Gebiet der interkulturellen Germanistik leistet, bis in die Ministerien bekannt ist. So werden einzelne Projekte vom DAAD bis 2009 jährlich mit bis zu 15 000 Euro gefördert. Bescheiden hebt Professor Thum hervor, dass „das Projekt von Erfolg gekrönt ist, da es auf dem Konzept der Gleichwertigkeit der Partner und des Dialogs basiert.“

Dem Dialog und den wissenschaftlichen Diskursen der Partner steht die Kooperation, beziehungsweise die Bereitschaft dazu, voran. Die elektronischen Medien spielen als Plattform eine große Rolle. So können sich Wissenschaftler aus unterschiedlichen Ländern die gemeinsame Projektarbeit durch Nutzung eines Wikis erleichtern. In diesem Zusammenhang steht das Konzept „Double Vision“, welches beinhaltet, dass alle Erläuterungen der behandelten kulturellen Phänomene jeweils aus der kulturspezifischen Sicht des Partners mittels Hypertexten dargestellt werden.

Sicherung des kulturellen Erbes

Das Wiki fungiert zwar in erster Linie als informelles Netzwerk, in dem die Möglichkeit zur Veröffentlichung von Publikationen besteht; viel mehr jedoch sind diese über das Wiki kommunizierten Projekte repräsentativ für die gesellschaftliche Bedeutung der neuen Medien.

Durch den medialen Austausch mit der arabischen Welt können sich zwei verschiedene Kulturräume, die doch auf ein gemeinsames kulturelles Erbe zurückgreifen, wieder einander annähern und Vorurteilen auf beiden Seiten entgegenwirken. Durch die interkulturelle Auseinandersetzung mit den Lebensformen, Werten und Traditionen der Welt diesseits und jenseits des Mittelmeers können sich ein neues Verständnis und mehr Toleranz für einander herausbilden. „Die ständige Konfrontation mit Alterität und das Aneinanderrücken von Kultur ist ein wesentliches Feld der Geisteswissenschaften“, betont Professor Thum, und so leistet er mit der Initiation und Betreuung der euro-mediterranen Projekte einen Beitrag zur Interkulturellen Germanistik und den Geisteswissenschaften. Hervorzuheben ist, dass die Förderung der interkulturellen Kommunikation und das Überschreiten von Kulturgrenzen auch dem Erhalt eines gemeinsamen kulturellen Erbes dienen, und somit stellt die Arbeit Professor Thums nicht nur eine nachhaltige Bereicherung für die Universität dar.

Julia Knifka

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben