frei Schnabel: Mini-Genesis

Was sie hier sehen, kommt ihnen sicher­lich bekannt vor. Es handelt sich um mehrere aneinander ge­heftete Papierbögen bedruckt mit längeren, zusammenhängenden Texten und dazu passenden Bildern. Sie haben es sicherlich schon erkannt, es ist ein Magazin. Aber wie entsteht ein Magazin? Nun, dieser Frage werden wir heute auf den Grund gehen.

Für gewöhnlich beginnt alles mit einer Idee. Der Erfinder spricht meist: „Es werde ein Magazin!“ Und Sie sehen, es ist ein Magazin geworden. Diesen anstrengenden Schöpfungsakt gerade hinter sich gebracht, steht der Erfinder des Magazins schon ersten Schwierigkeiten gegenüber: Er braucht Redakteure! Sofern der Erfinder nicht über die Fähigkeit verfügt, sich selbst ein paar fähige Redakteure aus Staub und Lehm zu töpfern, ist er gezwungen, Aushänge und Stellenausschreibungen zu organisieren. Haben sich schließlich ein paar Redakteure gefunden, wird ihnen die Aussicht auf etwas Besonderes gestellt. Gewöhnlich handelt es sich um eine Vergütung lebensnotwendiger Art. Um aber diese vom Erfinder zu erhalten, muss jeder einzelne Redakteur zahllose Prüfungen bestehen. Nun, wie sehen diese Prüfungen wohl aus? Zuerst gilt es informative Sintfluten zu überstehen. Nichtschwimmende Redakteure wandern ersatzweise vierzig Tage durch ein sengendes Sommerloch. Es wird bevorzugt über Widerständler gegen studiengebührengierige Unterdrücker berichtet. Wichtige Themen wie studentisches Wohnen, Studienfinanzierung oder Berufsaussichten dürfen keinesfalls zu kurz kommen. Des Weiteren ist es selbstverständlich, dass sich die Redakteure durch Mensalinien futtern, um Nahrungsmitteldoktrinen aufzustellen oder im Feuer des Kreationismus ihre Gehirnzellen verbrennen, denn die Evolution manipuliert sich bekanntlich nicht von selbst. Hat ein Redakteur einen Artikel geschrieben, begibt er sich zwischen Fiction und Science auf Fotojagd. Ein außergewöhnliches Phänomen, das hierbei zu beobachten ist, ist das Verschwinden von Nichtredakteuren, sobald eine Kamera ausgepackt wird. Notgedrungenerweise werden die meisten Redakteure darum zu Fotomodels, wobei des Öfteren das ein oder andere Talent entdeckt wird. Sobald ausreichend Fotos gemacht worden sind, fügen diese sich mit den Artikeln zusammen und in der Matrix der Formatvorlage entsteht eine ganz neue Ausgabe des Magazins. Als letzten Schritt steht die Übertragung des ganzen digitalen Komplexes in seine Printform an. Zeitweise kann es passieren, dass aufgrund fehlender Finanzen eine Monatsausgabe dem Internet geopfert werden muss, was aber nicht zu häufig vorkommen sollte… Und nun sehen sie, wie nach all dem Aufwand endlich ein Leser das fertige Magazin in den Händen hält. Jetzt sind alle glücklich. Der Erfinder ist glücklich, die Redakteure sind glücklich und ob der Leser es auch ist entscheidet die Band.

Inci-Nur Memili

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Eine Reaktion zu “frei Schnabel: Mini-Genesis”

  1. KA.mpus » KA.mpus 12/07, 01/08: Jubilum - Ein Jahr KA.mpus

    [...] frei Schnabel: Mini-Genesis [...]

Einen Kommentar schreiben