Dialog zwischen Kollegen

Professor Thum und Professor Krause im Gespräch

Seit diesem Semester befindet sich Herr Thum, Professor für germanistische Mediävistik und Interkulturelle Germanistik der Universität Karlsruhe, im Ruhestand. Mit seinem langjährigen Kollegen Professor Krause hat er für KA.mpus über seine Karriere, die Studierenden und die Universität gesprochen.

Krause: Wie haben Sie die Interkulturelle Germanistik für sich entdeckt? Spielte die Mediävistik dabei eine Rolle?

Thum: Als ich mit dem Studium anfing, war mein Berufsziel Dozent am Goethe-Institut zu werden, um im Ausland arbeiten zu können. Da dort in den 1960er Jahren nur Germanisten eingestellt wurden, entschloss ich mich zu diesem Studium, obwohl ich eigentlich eher Interesse für die Geschichte hegte. Deshalb habe ich mich für den Fachbereich Mediävistik entschieden, da er dem Geschichtsstudium am nächsten kommt und das Mittelalter eine hervorragende Schule für die kulturelle Analyse ist. So war der Weg zur Kulturwissenschaft schon vorgegeben. Auch die Multimedialität der mittelalterlichen Kommunikation hat mich stark interessiert. So bin ich schließlich zur Interkulturellen Germanistik gekommen.

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Professor Thum (links) und Professor Krause (rechts)

Krause: Wie sehen Sie die gegenwärtige Situation der Geisteswissenschaften?

Thum: Im Zusammenhang mit der Globalisierung ist eine Blüte der Geistes­wissenschaften zu erwarten. Die sich daraus ergebende permanente Konfrontation mit anderen Kulturen ist ein großes Feld der Geisteswissenschaften, die so zum Verständnis zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen beitragen können und die interkulturelle Kommunikation erleichtern.

Krause: Welches Resümee ziehen Sie aus Ihrer Zeit an der Universität Karlsruhe?

Thum: Ich bin außerordentlich dankbar, den Großteil meines beruflichen Lebens an einer technischen Universität verbracht zu haben. Hier ist der Geist der Innovation ein Muss, ohne den es keine Veränderung geben würde. Die Mentalität der Ingenieurprofessoren prägt auch die Geisteswissenschaften, sodass an der Fakultät schon 1999 das BA-/MA-System eingeführt werden konnte. An klassischen Universitäten wäre dies undenkbar gewesen. Und auch die Kollegen innerhalb der Fakultät haben sich immer aufgeschlossen gegenüber Neuerungen gezeigt. So wurde sie schließlich als Pilotfakultät für die Einführung neuer Studienstrukturen und Inhalte der Geisteswissenschaften benannt und durch den Stifterverband für die deutsche Wissenschaft als Reformfakultät ausgezeichnet.

Krause: Wie hat sich Ihrer Meinung nach der Studententypus in dieser Zeit verändert?

Thum: Das alte Magisterstudium bot die Möglichkeit zur Bildung in einem breiteren Umfang, jedoch auch sehr wenig Strukturierung. Der Studententypus war von der klassischen Art: stark ästhetisch und theoretisch orientiert, sehr bildungsbewusst. Die Umstrukturierung bedeutet größeren Leistungs- und Zeitdruck: So sind die Studierenden heute pragmatischer, leistungsbereiter und berufs­orientierter. Sie haben eher die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und interdisziplinär zu denken, was durchaus positiv zu bewerten ist.

Krause: Wie werden Sie jetzt Ihren Ruhestand gestalten?

Thum: Zuerst einmal werde ich meine Projekte in Marokko und Tunesien zu Ende führen und dann als Koordinator versuchen, einen deutsch-tunesischen Studiengang im Bereich Mechatronik und Produktionstechnik zu etablieren. Auf diese aktive Phase möchte ich gerne eine kontemplative folgen lassen, in der ich mich in Ruhe auf meine mediävistischen Wurzeln rückbesinnen kann.

Julia Knifka
Katharina Strobel

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