Studium – und was dann?

Das Leben nach dem Lernen

Nach langen Jahren des Lernens, vielen durchtanzten Nächten, neuen Bekanntschaften und etlichen Prüfungen findet das Studium einmal ein Ende. Dann stellt sich die Frage: „Wie sieht das Leben nach dem Studium aus?“ Erfahrungsberichte und Informationen rund um die Zeit nach dem Studium.


Obwohl Studienabgänger nach wie vor bessere Berufsaussichten haben als Nicht-Studierte, stehen auch sie einem hart umkämpften Arbeitsmarkt gegenüber. So meldete die Agentur für Arbeit in Karlsruhe im September diesen Jahres ca. 1000 arbeitslos gemeldete Akademiker von insgesamt 20.000 Arbeitslosen, wobei diese Zahl sich nicht nur auf Absolventen bezieht, sondern auf alle Akademiker. Mit einem Arbeitsleben, das von Wettbewerb und Konkurrenz geprägt ist, sahen sich im Wintersemester 2006/07 in Karlsruhe insgesamt rund 35.000 Hochschulabsolventen konfrontiert. Wir wollten wissen, wie und wo sich die frischgebackenen Akademiker bewerben. Entscheiden sie sich für einen Aufbaustudiengang oder wagen sie sich auch „nur“ mit Bachelor-Abschluss ins Berufsleben? Oft entscheiden sich die Studenten gezwungenermaßen nach dem ­Studium für ein Praktikum, um überhaupt einen Fuß in die Tür eines Unternehmens zu bekommen. Laut dem Magazin Spiegel hat sich die Zahl der Praktikanten im Laufe von zwei Jahren fast verdoppelt, sie stieg von 25 auf 41 Prozent. Ob sich ­diese Form der „Übergangsarbeitslosigkeit“ tatsächlich lohnt, sollen unsere Ergebnisse zeigen.

Für viele steht die Zukunft in den Sternen
Für viele steht die Zukunft in den Sternen

Nachgefragt

Wir befragten Absolventen unterschiedlicher Fachrichtungen nach ihrem weiteren Weg. Eine ausführliche Studie zu diesem Thema ist der Studentenspiegel 2 – eine Umfrage für Berufseinsteiger, an der 25.000 Studenten teilgenommen haben und sich über ihr Studium und den weiteren Berufsweg äußerten. Ein kleines Kaleidoskop aus Baden-Württemberg: Wie die meisten Geistes- und Sozialwissenschaftler entschieden sich auch Carolin und Rebecca nach ihrem Bachelor-Abschluss im Fach Germanistik für einen weiterführenden Masterstudiengang an der Universität Karlsruhe. Denn gerade hier scheinen höhere Abschlüsse für einen erfolgreichen Berufseinstieg unabdingbar zu sein. Für Kunsthistoriker sieht es sogar so aus, dass sie ohne eine Promotion wenig Chancen ­haben. Neben einem hohen Abschluss zählt ebenfalls Praxiserfahrung während des Studiums. Verena arbeitete beispielsweise während ihres Sportwissenschaft- und Journalismus-studiums als freie Mitarbeiterin bei einem öffentlichen Radiosender, der sie nach ihrem Abschluss weiterhin beschäftigte. Im Moment bemüht sie sich um ein Volontariat bei einem privaten oder öffentlichen Sender. Da diese Qualifikation nötig ist, um den Berufsstatus eines Redakteurs anerkannt zu bekommen, befindet sich Verena in einem großen Kampf um die wenigen Volontariatsstellen.
Michael, der ebenfalls seinen Master in Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Sportmarketing im Sommer 2006 ablegte, steckt seit seinem Abschluss ebenfalls in einem Bewerbungsmarathon. Im Sportmarketing stehen wenige Stellen einer großen Zahl an qualifizierten Mitbewerbern gegenüber. Allerdings ist Michael ganz zufrieden mit seiner Ausbeute von drei Vorstellungsgesprächen und glaubt daran, dass er bald eine Stelle finden wird.

Nach dem Studium geht‘s auf in den Bewerbungsmarathon
Nach dem Studium geht‘s auf in den Bewerbungsmarathon

Chef-Sein ist besser!?

Tim hat nach dem Studium einen ­anderen Weg gewählt. Für ihn kam ein Angestelltenverhältnis nicht in Frage und er wagte gleich nach Abschluss des Wirtschafts­ingenieur-Studiums zusammen mit zwei Kommilitonen den Sprung in die Selbstständigkeit. Ihre Diplom­arbeiten stellten bereits den Grundstock für den Businessplan der GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) „Business Net Partners“. Ihr Ziel ist es, in Deutschland eine Fluggesellschaft zu gründen, die Langstrecken­flüge für wenig Geld anbietet. Trotz viel Arbeit, viel Verantwortung und der Schwierigkeit, Partner für ihr Projekt zu finden, blickt Tim positiv in die Zukunft. Die meisten Kommilitonen aus Tims Abschlussjahrgang haben mittlerweile eine Stelle bei den führenden Unternehmensberatungen, Banken, Automobilherstellern, bei Bosch oder Siemens. Dies geschieht meistens durch den Einstieg über ein Traineeprogramm. Ein beliebtes Auswahlverfahren für diese unternehmensinterne Ausbildung ist das Assessment-Center. Das sind aufwändige Auswahlverfahren, die aus den USA kommen und die große Unternehmen in Deutschland mittlerweile auch zur Rekrutierung ihrer Trainees oder Führungskräfte ­nutzen. In unterschiedlichen Planspielen wird die Eignung des Bewerbers in verschiedenen Situationen getestet.
Selbstständigkeit ist für den ­studierten Informations- und Kommunikationsgestalter Moritz noch ­Zukunftsmusik. Er arbeitet in ­München in einem Designbüro, wo er auch sein Praxissemester ­absolvierte. Sein Ziel ist es jedoch nicht in Deutschland zu bleiben, sondern ins Ausland zu gehen – am liebsten nach China, Japan oder Australien. Dort möchte er weitere Berufserfahrungen sammeln und sich später, zurück in Deutschland, mit einem Studienkollegen selbständig machen.

Doktor gefällig?

Wem weder Master noch Diplom reichen, kann noch einen Doktor drauf setzen. Dem Informatiker Thomas wurde noch während seiner Diplomarbeit eine wissenschaftliche Mit arbeiterstelle am Forschungszentrum Informatik inklusive Promotion angeboten. Da seine Vollzeitstelle ihn sehr in Beschlag nimmt, bleibt ihm abends nur wenig Zeit, um an der Doktorarbeit zu feilen. In einem ­solchen Fall dauert eine Promotion bei Informatikern deshalb vier bis sechs Jahre. Nach dieser langen Zeit hat er mit Sicherheit Aussicht auf eine hoch dotierte Stelle.
Ohne Doktortitel oder Masterabschluss setzte sich Mona mit ihrem Bachelor of Business Administration durch. Nur sechs Wochen dauerte es, bis sie eine bezahlte und interessante Praktikumsstelle bei einem großen Sport- und Modeartikelhersteller in London ergatterte. Danach hat sie gute Chancen von diesem Unternehmen übernommen zu ­werden. Denn auch hier, wie bei vielen anderen, ist es Gang und Gäbe geworden, dass sich Neueinsteiger erst durch ein Praktikum von meistens sechs Monaten beweisen müssen. Viele Betriebe kalkulieren heute mit gut ausgebildeten Praktikanten. Mittlerweile ist es bei den Top-Arbeitgebern sogar schwierig überhaupt einen Praktikumsplatz zu bekommen. Dafür recherchierte Mona hauptsächlich in den Jobbörsen im Netz, informierte sich durch Broschüren, die in ihrer Hochschule auslagen, nutzte das Alumninetzwerk und die Tipps ihrer Professoren. Außerdem investierte sie 75 Euro in eine private Berufsberatung in Freiburg. Dort wurde nach einer Kompetenzanalyse eine individuelle Prioritätenliste aufgestellt, die für sie als Parameter für die zukünftige Jobsuche dienen soll. Die dreistündige Beratung schließt die Möglichkeit für gezielte Fragen mit ein, sowie eine schriftliche Auswertung des Gesprächs. Ihr letzter Weg führte sie zur Agentur für Arbeit, den insgesamt nur sieben Prozent aller Hochschulabsolventen zur Vermittlung einer Stelle wählen. Leider brachte dies keinen Erfolg, da es in Villingen-Schwenningen kein Hochschulteam der Agentur für Arbeit gibt.

Nicht nur für den Lebenslauf!

Für zukünftige Arbeitnehmer gibt es nach unserer Einschätzung ein paar wichtige „Must-haves“. Wie die Befragung zeigte, ist Praxiserfahrung, seien es Hilfswissenschaftsstellen, Praktika, Werkverträge oder fachnahe Nebenjobs unerlässlich und steht somit, auch laut dem Magazin Spiegel, noch vor Auslandserfahrungen an erster Stelle. Natürlich ­zählen auch gute Sprachkenntnisse und die immer wichtiger werdenden Soft Skills. Heutzutage ist alleine das Bewerben ein Full-Time-Job: die Lücken im Lebenslauf schließen, das ­richtige Briefpapier wählen (nicht zu weiß und nicht zu gelb!), Termine beim Fotografen und Bewerbungstrainer vereinbaren. Auch wenn sich unsere Generation mittlerweile in einer harten Bewerbungsgesellschaft befindet und es eine Vielzahl an Vorgaben für den perfekten Lebenslauf gibt, sollte dennoch jeder seinen eigenen Weg gehen, um authentisch zu bleiben. Wichtig ist schließlich, sagt Mona: „Das Passende zu finden und sich nicht mit dem Nächstbesten zufrieden geben!“

Paula von der Heydt und Anna Weißhaar

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