Interview: Beratung von den Profis

„Akademiker haben die besten Berufschancen“

Das Hochschulteam der Agentur für Arbeit Karlsruhe bietet Studierenden und Absolventen kompetente Beratung beim Berufseinstieg. Wir haben Frau Steinbach (Geistes –und Sozialwissenschaften) und Günter Hartard (Informatik, Ingenieure und Wirtschaftsabsolventen) befragt.

Wer kommt in Ihre Beratung?

Günter Hartard: Zu uns kommen ­Studenten, die kurz vor ihrem Examen stehen oder bereits abgeschlossen haben. Insgesamt betreuen wir derzeit 400 Arbeitssuchende und bera-ten sie in allen Belangen, die bei der Stellensuche und einer Bewerbung wichtig sind. In den ­meisten Fällen kommen die Studenten fast ein wenig zu spät. Es wäre wünschenswert, sie kämen nicht erst während ihrer Examensphase.

Frau Steinbach und Günter Hartard
Frau Steinbach und Günter Hartard

Was beinhaltet eine Beratung konkret?

Günter Hartard: Es ist uns wichtig, dass die Beratung personenzentriert ist. Wir verweisen auf den eigenen Stellenpool und Jobmessen und ­bieten eine individuelle Durchsicht der Bewerbungsunterlagen an.
Frau Steinbach: Außerdem geben wir auch Bachelor-Absolventen Tipps bei der Entscheidung zu weiterführenden Masterstudiengängen. Wo es die besten Studiengänge für das Profil des Studenten gibt, wie es da mit Bewerbungen aussieht und wie sinnvoll es ist, gleich nach dem Bachelor den Master anzuschließen.

Was gibt es an sonstigen Angeboten vom Hochschulteam?

Frau Steinbach: Wir bieten eine ­große Auswahl an Veranstaltungen an. ­Unter anderem Bewerbungsworkshops, Assessment Center Training und Informationsreihen zu verschiedenen Arbeitsfeldern, sowie Kurse zu Konflikt– und Projekt­management. Es existiert seit kurzem eine Verknüpfung zu dem Career Center der Hochschule für Wirtschaft und Technik Karlsruhe.

Auf welche Formalitäten sollte man nach dem Abschluss achten?

Günter Hartard: Versicherungstechnisch fallen die Studenten nach dem Abschluss in ein Loch. In dieser sogenannten Phase der Sucharbeitslosigkeit muss man sich privat oder gesetzlich versichern. Der Minimalbetrag liegt bei ungefähr 130 Euro, was für einen Nichtverdiener eine Menge ist. Darum meldet auch ca. ein Drittel der arbeitslosen Akademikern in Karlsruhe Hartz IV an.

Wie sehen Sie momentan die Chancen für Geisteswissenschaftler, Frau Dr. Steinbach?

Frau Steinbach: Nicht so schlecht, wie sie häufig dargestellt werden. Das Klischee vom Taxi fahrenden ­Soziologen stimmt so nicht mehr. Man kann sagen, dass die meisten nach diversen Praktika oder freier Projekt-arbeit nach einem Jahr eine Stelle gefunden haben. Am häufigsten in den Bereichen Medien – wobei hier der SWR in der Region Karlsruhe eine große Rolle spielt -, in Verlagen, der Presse– und Öffentlichkeit­s­arbeit, im Eventmanagement und im Personalwesen.

Haben Sie einen Tipp für alle Studienabgänger?

Günter Hartard: Die Studenten sollten sich Schritt für Schritt ihrer späteren beruflichen Tätigkeit an-nähern. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass Akademiker nach wie vor die besten Chancen auf dem
Arbeitsmarkt haben.
Frau Steinbach: Sie sollten sich vor allem nicht panisch für alles mögliche bewerben, sondern sehr reflektiert an diese Aufgabe herangehen und sich genau überlegen, was sie möchten und im Gegenzug dem ­Arbeitgeber bieten können. Es ist ratsam, sich für wenige, gut ausgewählte Angebote gezielt zu bewerben und sich nicht in den vielen Jobbörsen im Internet zu verlieren.

Paula von der Heydt
Anna Weißhaar

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben