Interview: “Ein unglaublicher Skandal”

Historiker Rolf Ulrich Kunze im Interview

Die Geisteswissenschaften machen an der Uni gerade eine harte Zeit durch und besonders das Geschichtsinstitut war durch die Affäre Steinbach zusätzlich in den Schlagzeilen. Wir haben mit PD Dr. Rolf Ulrich Kunze, der Anfang 2007 vom Geschichts- ans Philosophieinstitut versetzt worden ist, über die Zukunft des Instituts, Skandale und Rockpoeten gesprochen.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation des Geschichtsinstituts?

Die sehe ich ganz ausgesprochen positiv, weil mit der Versetzung von Herrn Steinbach hier seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder ein vernünftiges, qualitätsorientiertes Studium der Neueren, Neuesten – und Technikgeschichte für die Studierenden möglich sein wird. Das erkennen Sie bereits an dem Lehrangebot des Wintersemesters: Es ist breiter angelegt, näher an den Standards des Faches orientiert. Die handwerkliche Ausbildung, getragen von Herrn Eisele und Herrn Oetzel, wird mit Sicherheit besser durchgeführt werden, als in der Vergangenheit.

Rolf Ulrich Kunze
Rolf Ulrich Kunze

Wie sehen Sie das Institut in Zukunft?

Ich sehe die Dinge zukunftsorientiert. Wir haben zum WS 07/08 wieder Studierende zugelassen. Das heißt, dass für die Zeit, die diese Neuanfänger haben ihr Studium abzuschließen, auf jeden Fall das Studium in der alten Weise möglich sein wird. Ich bin fest überzeugt, auch darüber hinaus. Wenn diese Universität zu einem solchen Studium zulässt, ist sie verpflichtet, entsprechenden Bedingungen vorzuhalten. Es ist ein Skandal sonder gleichen, dass Hr. Steinbach meint, Infrastruktur des Instituts, die in keiner Weise in Verbindung steht mit der Forschungsstelle Widerstand, nämlich Bibliotheksrest­bestände, wie Privatbesitz behandeln zu dürfen. Ein unglaublicher Skandal, dass dieses einfach eingepackt und mitgenommen werden kann. Ich würde an Ihrer Stelle in jeder nur denkbaren Weise dagegen protestieren und mir Gedanken darüber machen, wofür ich Studiengebühren bezahle.

Wie stellt sich Ihre persönliche Lage dar?

Ich bin sehr optimistisch und froh über die Entwicklung und danke dem Rektor dafür, dass er Ende letzten Jahres eine klare Entscheidung getroffen hat, mich zu versetzen. Ich fühle mich im Institut für ­Philosophie ausgesprochen wohl, weil ich hier als Neuzeithistoriker eine sinn­volle Aufgabe wahrnehmen kann. Der ­Euklid Studiengang hat eine ­historische Seite und sollte sie auch haben. Dass er nicht noch stärker ­historisch konturiert werden konnte, liegt aber nicht am Leiter des Instituts für Geschichte Herrn Prodekan Professor Schütt, sondern an Herrn Steinbach, der dies torpediert hat. Ich kenne viele Studierende noch aus meiner Zeit am Geschichts­institut, insofern hat sich, was die Lehre angeht, für mich gar nichts geändert. Ich habe eher schöne, neue Perspektiven. Was die Forschung betrifft, bin ich vollkommen frei und danke Herrn Schütt, dass dies in einer kollegialen und zudem menschlich anregenden Atmosphäre geschehen kann.

Am 24. Oktober spielt Rockpoet Heinz Rudolf Kunze in Karlsruhe. Haben Sie sich schon Ihre Karte gesichert?

Er hat mich informiert, dass das so sein wird. Ich hatte leider viel zu oft in letzter Zeit irgendwas anderes vor und konnte nicht. Es wäre fast unmöglich da nicht hin zugehen, wenn er nun tatsächlich mal direkt nach Karlsruhe kommt. Da werden Sie mich sicher antreffen.

Willi Busse

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

2 Reaktionen zu “Interview: “Ein unglaublicher Skandal””

  1. Bjrn Fitzner

    Herr Prof. Schütt Leiter des Instituts für PHILOSOPHIE – nicht Geschichte. Darüber hinaus ist er Prodekan der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften.
    Herr Prof. Engehausen ist als Lehrstuhvertreter für das WS07/08 auf der Homepage des Instituts für Geschichte eingetragen.

  2. Willi Busse

    Danke für deinen Kommentar: Das Herr Engehausen den Lehrstuhl vertritt ist uns natürlich allen bekannt, stand aber zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht fest und wurde daher nicht erwähnt.

    Herr Schütt hat meines Erachtens eine Art kommisarische Leitung für das Geschichtsintitut inne bzw. u.a. die Aufgabe einen Steinbach Nachfolger zu finden. Darauf will ich mich aber nicht festlegen. Und das er Prodekan ist, wird ja wohl gesagt.

    Im übrigen ist das ein Interview, wo alles wortwörtlich wiedergegeben wurde, was gesagt wurde. Da können unter Umständen schon mal kleinere Fehler passieren.

Einen Kommentar schreiben