Der Mensa-Report

… und welche Linie wählst du?

Linie 5„Der Geist ist denselben Gesetzen unterworfen wie der Körper: beide können sich nur durch beständige Nahrung erhalten.“ (Luc de Clapiers). Und wenn der Geist genug gemästet wurde, dann schreit der Körper nach Futter. Kurz gesagt: Lernen macht hungrig. Darum haben wir uns aufgemacht und in der vielleicht wichtigsten Institution der Universität Karlsruhe hinter die Kulissen geschaut: Der Mensa am Adenauerring.


Die Uni Karlsruhe ist nicht nur in Forschung und Lehre Elite ­– nein, sie ist es auch, was das Essen betrifft: Die Mensa am Adenauerring ist die ­größte in Baden-Württemberg und bedient pro Tag an die 7000 ­hungrige Studenten, Lehrende und sonstige Mitarbeiter. Zuletzt ­kletterte unser Fresstempel auch noch im ­deutschlandweiten Mensa-Ranking auf Platz 25. Und rekordverdächtig dürfte auch die Spülmaschine sein, denn die ist ganze acht Meter lang.
Der Küchenleiter Theo Bolz wacht dabei über die rund 70 Angestellten im Küchenbereich, die täglich ­zwischen 11 und 14 Uhr die ­knurrenden Mägen füllen. Allein 300 bis 400 Kilogramm Pommes ­Frites müssen dann frittiert werden. ­Keine leichte Arbeit. Von Montag bis ­Donnerstag bietet die Update-Linie von 17 bis 19 Uhr warmes Abendessen an.
Für all diejenigen, die sich schlecht entscheiden können, ­bieten die ­Linien 1 und 2 bereits fertige ­Menüs. An den Linien 3 bis 5 kann man sich zum Gericht ­verschiedene Beilagen aussuchen. Linie 6 ­ermöglicht es, sich das Essen vollkommen frei ­zusammenzustellen. Nur hier gibt es tagesaktuelle Angebote der Zulieferer, daher wird sie auch „Update-Linie“ genannt. Des Weiteren gibt es noch die sehr beliebte Schnitzel-Bar.

Die Mensa
Die Mensa am Adenauerring

Organisation einer Großküche

Die Arbeit in einer solchen Groß­küche erfordert einiges an Planung und ­Gespür. Während die ­Kalkulation der benötigten Mengen bei ­erprobten ­Gerichten auf langjährigen Erfahrungs­werten basiert, wird die Schätzung um einiges schwerer, wenn neue Mahlzeiten ausprobiert werden sollen. Dies geschieht in unregelmäßigen Abständen. ­Vorschläge kann generell jeder einbringen, die dann diskutiert werden. Ist eine Mehrheit für die Einführung der ­neuen Speise, wird diese erst einmal an der Linie 3 ausprobiert, da dort auch immer die Aktionsessen angeboten werden. Dann wird auf die Reaktion seitens der Studenten gewartet.
Diese ist ausdrücklich erwünscht, das Team der Mensa ist dankbar für jede Kritik – und natürlich auch für Lob. Feedback kann anonym in den Beschwerdekasten, welcher sich im Foyer befindet, eingeworfen werden. Viele Gerichte können allerdings nur an der Linie 6 verkauft werden, da es sich um spezielle Angebote der Zulieferer handelt, die nur in kleinen Mengen zu haben sind.

Mensa-Mythen

Jeder von uns hat wohl schon einmal von einem zwinkernden ­Kommilitonen den lieb gemeinten Rat gehört, am Freitag lieber kein ­Gehacktes und auch keine ­un­definierbar ­aussehenden ­Gerichte zu wählen. Auf diese ­Gerüchte angesprochen, die sich schon seit ­Generationen hartnäckig halten, ­reagiert Mitarbeiter Herr ­Grether mit einem herzhaften ­Lachen. Scheinbar sind auch ihm diese Scherze schon zu Ohren gekommen. Dies sei ein absoluter Mythos, so Grether. Zwar werden Lebensmittel vom Vortag verarbeitet, sofern diese noch verwendet werden können. Jedoch ­werde darauf geachtet, dass alles frisch ist und deshalb werde auch nur in kleinen Mengen gekocht, um Reste zu vermeiden. Daher ist es gut möglich, dass kurz vor 14 Uhr das jeweilige Wunschgericht nicht mehr verfügbar ist. Auch die Mär, es würde sich bei den angebotenen Lebensmitteln ausschließlich um Fertigprodukte handeln, ist so nicht richtig.
Die Mensa bezieht ihre Ware von verschiedenen Lieferanten „just in time“, um hohe Lagerkosten zu vermeiden. Alle Lebensmittel werden unmittelbar nach der ­Anlieferung weiterverarbeitet. Um ihre Kunden noch gesünder ernähren zu ­können, bemüht sich die Mensaleitung ­gerade um eine Bio-Zertifizierung, mit der sie Salate und Beilagen als „Bio-­Essen“ auszeichnen dürfte. Allerdings ist dies ein langwieriger Prozess, bei dem viele Bedingungen erfüllt werden müssen.

Comic
Comic

Essen für einen guten Zweck

In der Mensa sind in den letzten ­Jahren einige Projekte realisiert ­worden, die einem guten Zweck dienen. So ist in der Caféteria im ­Chemiebau fair gehandelter ­Kaffee erhältlich und an der Linie 3 der ­Mensa wird jeden Donnerstag das sogenannte Solidaritäts­essen an­geboten. Die Aktion existiert seit dem Wintersemester 2004/05 und beruht auf einer Initiative der ­Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) und der Evangelischen Studierenden Gemeinde (ESG). Dabei handelt es sich um ein Gericht aus gerecht ­gehandeltem Reis oder Bio-Nudeln, von dessen Preis einst 25 Cent in ein wohltätiges Projekt fließen. Nach der Aufstockung durch das Entwicklungs­hilfeministerium sind es nun sogar 75 Cent.
Jedes Semester wird ein ­anderes Projekt ausgewählt. Im Winter­semester 2007/08 geht der Erlös der Aktion in vollem Umfang an das Hilfswerk Misereor, das in Bolivien das Projekt „Das Leben lesen lernen“ unterstützt. Generell sind Anregungen von Seiten der Studierenden immer willkommen und werden auf jeden Fall angehört und geprüft. Realisierbare Ideen werden nach Möglichkeit auch tatsächlich umgesetzt.

Keine Lust auf Mensa?

Trotz dieser guten Ansätze sind ­viele Studenten mit dem Essen der ­Mensa nicht zufrieden. Da hört man ­Klagen über den faden Geschmack der ­Gerichte oder die „labbrige“ ­Konsistenz. An Linie 6 gibt es – egal zu welcher Zeit – nur „­Backstein-Burger“, die sich kaum kauen ­lassen. Außerdem wird das Angebot der Schnitzel-Bar gerne angenommen, allerdings lässt die Qualität des ­Fleisches zu wünschen übrig. ­Deswegen weichen viele Studenten regelmäßig auf Alternativen rund um die Uni aus.
Eine davon ist die Tasse mit Pfiff in der Waldhornstraße 31. Täglich gibt es beim Geheimtipp zwischen 12 und 18 Uhr drei verschiedene ­Suppen und Eintöpfe nach Hausfrauen­art. Selbstverständlich glutamat- und glutenfrei. Wahlweise auch vegetarisch. Nicht nur Studenten stillen hier ihren Hunger. Um die Mittagszeit ist das kleine Suppen-Restaurant gerammelt voll ­– selbst Rektor ­Hippler soll hier schon gesichtet ­worden sein. Als „­Bonbon“ ­sozusagen gibt es jede zehnte ­Suppe umsonst. ­Apropos Bonbon, für alle, die es gerne süß mögen, gibt es den herrlichen selbst gebackenen ­Kuchen. Somit lohnt sich ein Besuch bei der Tasse mit Pfiff auf jeden Fall.
Das Café Pan in der ­Kaiserstraße 50 ist dagegen wohl eine der ­teuersten Alternativen zur Mensa. Allerdings auch eine der Besten. Hier gibt es von 11 bis 19 Uhr süße und herzhafte Crêpes zum Genießen. Dazu passen die frisch gepressten Obst- und Gemüsesäfte. Alle Zutaten sind aus kontrolliert biologischem Anbau.
Wem dies noch nicht genug ist, der findet auf der Kaiserstraße ein Überangebot an ­Imbissbuden und ­Restaurants. Diese Auswahl ­ermöglicht dem Studierenden eine vielfältige, ausgewogene Ernährung.
Bon Appétit

Katharina Strobel, Willi ­Busse und Boris Pawlikowski

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