Bibliothek total

Die Bib, die niemals schließt: UB Karlsruhe

Ausleih-StationSeit fast eineinhalb Jahren ist die 24-Stunden-Bibliothek der Uni ­Karlsruhe geöffnet. Bereits nach zehn Monaten wurde die millionste ­Besucherin begrüßt und im Juli 2007 belegte die „Bib“ den dritten Platz des deutschlandweiten Bibliotheken-Rankings. Zeit, sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.


Nachdem sich die Eröffnung der „Rund-um-die-Uhr-Bibliothek“ um einige Monate verzögert hatte, nahm sie schließlich am 24. April 2006 den Betrieb auf. Die Vorteile des Neubaus liegen auf der Hand. Die Technik ermöglicht die einfache, selbständige und flexible Nutzung aller ­angebotenen Dienste. Besucher haben mehr Freiheit bei der Einteilung ihrer Arbeitszeit, können sich auch nachts Literatur besorgen und sind nicht mehr von Öffnung­szeiten abhängig. Die Automatisierung der Ausleih-Prozesse wird ständig weiter­entwickelt, sodass neuerdings an­fallende Gebühren per FriCard bezahlt werden und somit auch Konten wieder entsperrt werden können. Außerdem wird im Untergeschoss momentan ein Automat getestet, der per FriCard Schlüssel für die ­Garderoben ausgibt.

Getrübte Freude

Kurz nach der Eröffnung wurden ­allerdings schnell einige Mängel deutlich. Beispielsweise sind ­Toiletten nur im Untergeschoss vorhanden. Die automatischen Jalousien erzeugen einen Höllenlärm. Der Alarm, den ein nicht ordnungsgemäß ­entliehenes Buch auslöst, ist bis in den ­hintersten Winkel des obersten Stocks ­hörbar. Und angesichts der Akustik, die auch weit entfernt stattfindende Gespräche durch das gesamte Gebäude trägt, würden wohl selbst die alten Griechen vor Neid erblassen. Immerhin werden derzeit Pflanzen im Gebäude plaziert um den Schall zu schlucken.

Mallorca-Mentalität

All diese „Problemchen“ sind jedoch nichts im Vergleich zum Platz­mangel, der in der Bibliothek herrscht. Hier hat sich eine Mentalität breit gemacht, welche an Mallorca-Pauschaltouristen erinnert, die sich mit ihrem Handtuch die besten Sonnenliegen reservieren. So werden die Tische mit Ordnern und Skripten – auch über Nacht – belegt, um mittags essen gehen oder morgens länger schlafen zu können. Viele Studierende leihen aber keine Medien aus, sondern brauchen allenfalls einen Tisch plus Stuhl. Wer jedoch einen Platz zum lernen braucht, steht nun vor einem belegten Arbeitsplatz, der für mehrere Stunden nicht genutzt wird.

Die Ausleihe stagniert bei ­steigenden ­Besucherzahlen

ADie Statistik zeigt deutlich, dass sich seit der Inbetriebnahme der 24-Stunden-Bibliothek kein Anstieg der Ausleihe verzeichnen lässt – ganz im Gegensatz zu den Besucherzahlen. Rund 30.000 Menschen besuchen wöchentlich die Bib, am 28. Februar 2007 konnte die einmillionste ­Besucherin begrüßt werden. Also nutzen mehr Studenten als vorher die Bibliothek, jedoch nicht im ­eigentlichen Sinne ihrer Bedeutung. Sie gebrauchen ihn lediglich als Lernplatz, an dem man nicht so leicht abgelenkt wird, wie zu Hause. Bei nur 1000 Arbeitsplätzen im Neubau ist dies eindeutig eine Überbelastung der Kapazitäten. Hinzu kommt, dass viele Institutsbibliotheken komplett geschlossen und in die neue UB verlagert wurden. Das bedeutet im Klartext: Noch weniger Plätze, die eine zum Lernen benötigte Atmosphäre bieten.

Anbau geplant – Zeitpunkt noch offen

Der Bibliotheksdirektor Christoph ­Hubert Schütte nennt die Auslastung der Bibliothek eine „Abstimmung mit den Füßen“ und ist sich gleichzeitig des Platzproblems bewusst. Deshalb wurde im Sommersemester 2007 eine Umfrage zur Nutzung der Fachlesesäle durchgeführt, die zur Zeit ausgewertet wird. Außerdem ist ­ursprünglich ein zweites Gebäude auf dem Gelände Richtung Durlacher Tor geplant gewesen. Das Modell steht im Erdgeschoss der UB. Sein Ziel, diese Pläne zu verwirklichen, verfolge er vehement, so Schütte. Bisher sei seitens der Universitätsleitung aber noch keine Entscheidung gefallen, ob und wann der Anbau realisiert werde.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Es bleibt zu hoffen, dass die ­Universität möglichst bald etwas ­unternimmt, um den Lernenden mehr Raum zu schaffen. Ein Neubau könnte das Problem am ­einfachsten lösen. Und der bräuchte dann auch nur Tische und Stühle, um die ­Studenten zufrieden zu stellen.

Katharina Strobel

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