Interview: Fachgewichtungsfaktor

Sylvia Barkholz über den Verteilerschlüssel

Die Verteilung der Studiengebühren sorgt momentan für Diskussionsstoff auf dem Campus. Die Geisteswissenschaften sollen nur 60 Prozent der Studiengebühren bekommen, der Rest fließt an andere Fakultäten. Wir haben uns mit der Vorsitzenden der UStA, Sylvia Barkholz, getroffen und uns mit ihr über die Situation unterhalten.

Woraus ergibt sich die Benachteiligung der Geisteswissenschaften im Verteilerschlüssel?

Die Geisteswissenschaften wurden schon vor der Einführung der Studiengebühren benachteiligt. Aus den vom Land zugewiesenen Geldern wurden seit jeher den Geisteswissenschaften 60 Prozent, den technischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten 120 Prozent, zugeteilt. Dieser Fachgewichtungsfaktor ist eigentlich für die Gelder aus dem Landeshaushalt gültig und wurde angeblich nach einem Senatsbeschluss für die Studiengebühren übernommen. Der so genannte Beschluss taucht lediglich in einem einzigen Satz ohne weitere Anmerkungen in einem Protokoll auf, die Gültigkeit des „Beschlusses“ ist somit fragwürdig. Des Weiteren kann es nicht sein, dass von den 500 Euro die ein Geisteswissenschaftler bezahlt nur ein Bruchteil in dessen Ausbildung fließen und dass, obwohl Geisteswissenschaftler erwiesenermaßen nach dem Studium schlechter verdienen als Akademiker anderer Studiengänge. Dies ist eine Ungerechtigkeit die wir nicht hinnehmen.

Sylvia  Barkholz
Sylvia Barkholz

Welche weiteren Schritte sind gegen die Anwendung des Verteilerschlüssels geplant?

Uns wurde versichert, dass die Senats-beschlüsse, betreffend des Verteilerschlüssels, jederzeit aufgehoben werden können. Anstatt unserem Antrag auf Aufhebung des Beschlusses nachzukommen, verwies uns das Rektorat auf die Möglichkeit den Antrag auf Aufhebung des Verteilerschlüssels im nächsten Semester einzubringen, was aber erst nächstes Frühjahr wäre und somit zu spät den Verteilerschlüssel abzuschaffen. Ich werde ab Oktober erstmalig im Senat mitwirken. In der zweiten Senatssitzung des kommenden Semesters, im November, werde ich einen Antrag auf die rückwirkende Aufhebung des Verteilerschlüssels vorschlagen. Die Gelder des letzten Semesters, die an andere Fakultäten verwiesen wurden, sollen an die Fakultät der Geistes- und Sozialwissenschaften ausgezahlt werden. Das Ziel ist die Abschaffung des Verteilungsschlüssels und des Fachgewichtungsfaktors. Wir streben eine proportionale Verteilung der Studiengebühren an.

Wie seht ihr eure Chancen zur rückwirkenden Abschaffung des Verteilerschlüssels?

Wir sind da relativ optimistisch. Der Senatsbeschluss, den Fachgewichtungsfaktor auf die Studiengebühren anzuwenden, wurde, wie bereits erwähnt weder diskutiert noch wurde darüber abgestimmt. Andere studentische Abgeordnete sowie Dekan Professor Japp können dies bestätigen. Auch die Fachschaften anderer Fakultäten haben sich solidarisch zu den Geistes- und Sozialwissenschaftlern erklärt. Weitere studentische Mitstreiter sind bei der UStA jederzeit willkommen, je mehr desto besser. Da die Gültigkeit des „Beschlusses“ wie bereits erwähnt fragwürdig ist, denke ich, dass der Antrag auf Abschaffung des Verteilerschlüssels und des Fachgewichtungsfaktors Zu­stimmung finden wird.

Was wenn der Antrag zur Abschaffung abgelehnt wird?

In diesem Fall – der hoffentlich nicht eintreten wird – kann es natürlich zu keiner rückwirkenden Aufhebung des Verteilerschlüssels und Auszahlung der Studiengebühren an die Geistes- und Sozialwissenschaftler kommen. Wir würden so bald wie möglich einen Antrag auf vollständige und unwiderrufliche Abschaffung des Verteilerschlüssels stellen und des Weiteren auch auf die proportionale Verteilung der Studiengebühren bestehen.

Inci-Nur Memili & Christophe Kopf

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