frei Schnabel: Unbegrenzte Möglichkeiten

Wisst ihr, was mich mal brennend interessieren würde? Wir zahlen jetzt schon ein ganzes Jahr lang Studiengebühren, doch von einigen sichtbaren Umgestaltungen mancher Gebäudefassaden einmal abgesehen, habt ihr schon von der Einführung profitiert? Da muss die Frage doch gestattet sein, wohin unsere hart zusammen gesparten Kröten eigentlich bei ihrer jährlichen Reise hinwandern.


Kommilitonen wollen beobachtet haben, wie Professoren sämtlicher Hochschulen anlässlich des Jüngsten Gerichtes zur Einführung der Studiengebühren am Hexenberg im Norden der Stadt um das Totenfeuer der Freien Bildung herumgetanzt sein sollen. Aber mal ehrlich, könnten wir es ihnen verdenken? Würden wir nicht genauso überschäumend abfeiern, wenn sich für uns die Chance eröffnen würde, unser Gehalt zu verdoppeln, ohne wesentlich mehr leisten zu müssen? Und was wir mit der zusätzlichen, immersprudelnden Einnahmenquelle alles anstellen könnten; endlich wieder Urlaub in der Südsee und unser angemieteter Tiefgaragenplatz im Wohnheim hätte endlich einen Sinn, indem er den frisch angelieferten BMW beherbergen könnte. Das Leben, es wäre so schön, auch, wenn es ab und zu mal regnen würde. Für diesen Fall kann man von seinem Sympatex–Regenschirm mit atmungsaktiver Nanostoffbespannung und einem nach Schokolade schmeckenden Griff Gebrauch machen. Entwickelt natürlich an der Elite Uni Karlsruhe. Denn dafür sind unsere Studiengebühren ja eigentlich vorgesehen. Der Verteilungsschlüssel unserer Uni zielt ja geradezu auf solche Erfindungen hin. Möglichst viel Öl aus den Geisteswissenschaften abpumpen und der Physik dann weiterverkaufen. Die wiederum sorgt mit ihrer Forschung für ein erleichtertes Leben. Neue Hiwi Stellen machen’s möglich und zeugen zugleich von wahrer Elite. Vielleicht hätte man bei der k(r)ampfhaften Verteilung aber auch beim AKK den ein oder anderen Euro untergebracht um mehr Schlonze in einer karibischen Location veranstalten zu können. Davon hätten wir ja schließlich alle gleichermaßen profitiert und keiner hätte sich beschweren dürfen. Denn wirklich keiner könnte dann an der umgestalteten Sonnenanbeterterrasse, ausgestattet mit Palmen und Hängematten, blind vorbei laufen. Die Unileitung hat übrigens ihrem jüngsten Kind, dem Verteilungsschlüssel, den Namen Science gegeben. Schöner Name könnte man meinen, wenn in der Führungsetage nicht vergessen worden wäre, dass ihr Sprössling auch eine Mutti hat. Die Fiction nämlich. Und die hätte man eben bei der Namensvergabe auch nicht außer Acht lassen dürfen. Denn diese klagt jetzt in der Stadt des Rechts ihr selbiges ein. Auch hier werden wieder Tausende von Kröten auf eine Reise ins Ungewisse gehen. Aber Hauptsache ist doch, dass sie mit Hilfe netter Menschen schadlos und gesund an ihrem Ziel ankommen.

Timo Heiler

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