Die Zukunft wird heiß

Baum

Unser Wetter im Jahre 2055

Baden-Württemberg wird von der globalen Erwärmung nicht verschont. Die ersten Anzeichen machen sich bereits bemerkbar. Die Vergangenheit wird uns einholen, es ist nur noch eine Frage der Zeit. Doch wie werden Karlsruhe und die Umgebung dann aussehen? Was wird sich verändern, und wie wird die Natur darauf reagieren? Schauen wir auf Baden-Württemberg im Jahre 2055.

Baden-Württemberg wird von der globalen Erwärmung nicht verschont. Die ersten Anzeichen machen sich bereits bemerkbar. Die Vergangenheit wird uns einholen, es ist nur noch eine Frage der Zeit. Doch wie werden Karlsruhe und die Umgebung dann aussehen? Was wird sich verändern, und wie wird die Natur darauf reagieren? Schauen wir auf Baden-Württemberg im Jahre 2055.
Der Klimawandel ist in aller Munde. Die Medien reißen sich förmlich um die schlimmsten Katastrophen und die verheerensten Auswirkungen. Sie berichten immer wieder über neue Horrorszenarien wie zum Beispiel sich ausdehnende Wüsten, schmelzende Polarkappen, steigende Meeresspiegel, Überschwemmungen und zunehmende Dürren. Das klingt alles sehr weit weg, obwohl der Klimawandel jetzt schon da ist. Wir merken noch nicht viel davon, dass wird sich jedoch in Zukunft ändern. Also habe ich mich auf die Suche nach dem zukünftigen Wetter der Karlsruher Region gemacht.
Das Karlsruher Wetter ist schon etwas besonders, schwüle, heiße, drückende Luft und die Stadt tut ihr übriges dazu. Doch was wird sich daran ändern?
Spielen wir ein mögliches Szenario durch. Natürlich kann niemand in die Zukunft sehen und einige Rahmenbedingungen für unser Wetter sind noch nicht hinreichend bekannt um eine genaue Vorhersage zu geben. In vielen Dingen sind sich die Wissenschaftler aber durchaus einig und über jeden Zweifel erhaben. Starten wir in eine wahrscheinliche Zukunft und begeben uns auf eine Zeitreise in das Jahr 2055.

Die Zukunft wird heiß
Die Zukunft wird heiß

Extremer Sommer

Der Sommer wird bis zu 20 Tage länger, die Temperaturen steigen. Die meisten Tage werden heiß und schwül, aber trotz eines Niederschlagsrückgangs nehmen die schweren Gewitter zu. Karlsruhe befindet sich heute noch in der gemäßigten Klimazone. In naher Zukunft jedoch wird sich das Wetter dem subtropischen Klima angleichen, mit häufiger auftretenden Hitzegewittern und Platzregen ist zu rechnen.
Das Thermometer wird im Sommer 2055 fast nicht mehr von der 30 Grad Grenze herunter kommen. Extreme Temperaturen nehmen deutlich zu und Hitzewellen werden voraussichtlich alle 2 Jahre auftreten. Das bedeutet, eine höhere Belastung für den Menschen. Diese wird nicht nur individuell empfunden, es kommt auch auf die körperliche Verfassung an. Ältere Menschen haben mehr unter der Hitze zu leiden als Jüngere. Die gefühlte Temperatur wird wegen der schwülen Luft weit über der tatsächlichen Temperatur empfunden. Der Mensch muss lernen mit dem Klima zu leben. Dachgeschosse werden ein klimagerechtes Gebäudedesign brauchen, genauso wie es für die Stadtplanung erforderlich sein wird klimatischen Anforderungen gerecht zu werden.
Durch die Wärme verändert sich die Flora und Fauna. Immergrüne Pflanzenarten werden heimisch. Durch die tropischen Temperaturen nehmen Stechmücken zu, gut möglich das sich auch ausländische Arten ansiedeln. Dadurch können Infektionskrankheiten wie Malaria oder Gelbfieber auftreten.
Trinkwasserknappheit ist nicht zu befürchten, aber Probleme mit der Bewässerung können durchaus auftreten. Die Felder werden ausgeklügelte Bewässerungssysteme brauchen damit kein Wasser verschwendet wird. In Baden-Württemberg werden 41 Prozent der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Dabei ist vor allem die Bewässerung des Weizens wichtig, der besonders viel Wasser braucht. In Zukunft wird wohl eher Mais angebaut, denn diesem machen hohe Temperaturen nichts aus.
Der badische Wein genießt bei uns einen ganz besonderen Stellenwert. Bei einer Vegetationsperiode von 170 Tagen gedeiht ein guter Wein. Sonne ist zwar unverzichtbar für einen guten Wein, aber zu viel ist schädlich. Gegen die hohen Temperaturen kann man noch etwas tun, einfach südliche Weinsorten anbauen die solch ein Klima gewohnt sind. Vor allem die Rotweine werden sich durchsetzen, da sie von Natur aus mehr Sonne benötigen.
Dagegen ist die Schädlingsbekämpfung schon schwieriger, weil durch die vielen warmen Tage mehrer Generationen von Nachkommen gebildet werden. Zusätzlich leiden die Weinberge unter dem abnehmenden Niederschlag.
Die Felder können noch bewässert werden, aber den Wäldern wird die Wasserknappheit zum Verhängnis. Die Waldbrandgefahr steigt und der Wasservorrat im Boden geht zurück. Dies kann bei einigen Baumarten wie der Fichte zum Aussterben führen. Der Wald befindet sich heute schon im Umbau. Das Bild unserer Landschaft verändert sich langsam aber stetig.

Die Zukunft wird heiß
Grillen

Später und langer Herbst

Die Blätter fallen im Herbst immer später von den Bäumen. Die Pflanzen bleiben durch den langen Sommer länger aktiv. Der Frost setzt erst spät ein, 2055 lässt er bis nach Jahresbeginn auf sich warten.
Ein guter Indikator für den Klimawandel sind Vögel. Diese reagieren sehr empfindlich auf Klimaschwankungen und sind dadurch gut zu beobachten. Die meisten Zugvögel fliegen bereits heute später weg und einige können sogar schon bei uns überwintern. Die Langstreckenzieher werden in Zukunft zu Kurzsteckenziehern und diese bleiben wiederum ganz hier.
Die Schwalbe überwintert heute im Mittelmeerraum, obwohl sie früher nördlich der Sahara überwintert hat. Ungefähr genauso geht es dem Weißstorch, vor zwanzig Jahren noch ein Transsaharazieher überwintert er heute nördlich der Wüste. Deutschland ist für einige Zugvögel bereits jetzt zum Reiseziel geworden. Früher überwinterte der Silberreiher nur in Spanien und Italien, heute ist er im Herbst und Winter in Süddeutschland zu sehen.
Das gesamte Spektrum der Arten die in Baden-Württemberg leben oder überwintern wird sich erheblich verschieben.

Wellness statt Winter

Im Winter wird es weniger Eis und Schnee geben. Dabei wird die kalte Jahreszeit nicht nur kürzer, sondern verschiebt sich auf den Jahresanfang. Weiße Weihnachten wird also immer unwahrscheinlicher.
Der Wintertourismus im Schwarzwald nimmt ab, da sich die Schneefallgrenze in höhere Lagen verschiebt. Skifahren und Rodeln auf Kunstschnee wird zum Normalfall werden, wenn die Tourismusbetriebe nicht in höher liegende Gebiete umziehen wollen oder können. Einige steigen bereits jetzt auf wetterunabhängige Angebote um, Wellnessurlaub anstatt Schnee und Eis.
Wenn das Wasser nicht in Eis und Schnee gebunden wird, muss es in die Flüsse ausweichen. Die Pegelstände der Flüsse steigen und Überschwemmungen nehmen zu. Das kann noch mit guten Dämmen und Überschwemmungsgebieten ausgleichen werden, aber für die Schifffahrt entstehen große Schäden. Der Rhein ist eine der bedeutendsten Wasserstrassen Deutschlands.
Im Winter werden vermehrt Gewitter auftreten und ihre Gewalt wird zunehmen. Stürme wie Lothar werden öfter Verwüstungen anrichten. Die Großwetterlage der letzten dreißig Jahre prognostiziert einen Anstieg an Westwinden. Aber nicht nur der Wind wird kräftiger auch die Hagelgefahr wird steigen.

Frühling mit neuen Gästen

Der Frühlingsanfang wird früher eintreten. Die Vögel die im Herbst später abfliegen kommen im Frühling dafür eher an. Manche von ihnen werden früher nisten, da sie schon genug Futter finden um ihre Jungen groß zu ziehen. Die Blaumeise beginnt mit dem Nistvorgang heute bereits drei Tage früher als noch vor zehn Jahren. Die Halsbandschnäpper legen nicht nur früher, sondern haben auch ein größeres Gelege mit mehr Schlüpferfolg. Die nördlich verbreiteten Arten werden in höheren Lagen nisten oder aussterben, da es ihnen schlichtweg zu warm wird. Bereits heute ist das Auerhuhn vom aussterben bedroht.
Neue Arten werden eintreffen, es ist nur die Frage wann und welche? Ein spektakuläres Beispiel haben Vogelforscher beobachtet, sie haben entflogene Sittiche beim Nisten entdeckt. Das bedeutet schon heute können subtropische Arten in diesen Breitengraden leben und sich vermehren. Gut möglich, dass im Jahre 2055 Flamingos in Baden nisten, bereits heute sind sie in Südfrankreich und Spanien heimisch.

Heike Großmann

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