Musik trifft Architektur

Musik trifft Architektur

Architektur Studenten bebauen das Festival Gelände

Hunderttausende Besucher pilgern jedes Jahr zum „Mount–Klotz“. Neben musikalischen Highlights bietet „Das Fest“ Architektur der Studentenklasse. Punk-Rock, Halfpipe, Klimawandel, Wasserspiele und Schneeschaufeln hat „Das Fest“ dieses Jahr im Angebot.

Sommer, Sonne, Festival. Die warme Jahreszeit ist angebrochen und in ganz Deutschland starten die Open– Air-Veranstaltungen. Dabei wird für jeden Geschmack etwas geboten. Neben dem wohl bekanntestem Festival „Rock am Ring“, bei dem sich jährlich Rock- Größen aus der ganzen Welt die Ehre geben, finden noch viele andere Ereignisse für Musikfreunde statt. So kommen Freunde der Reggae Musik beim „Summerjam“ in Köln, Hip Hop Fans beim „Splash“ in Chemnitz und Elektro Liebhaber beim „SonneMondSterne“ bei Jena auf ihre Kosten. Dabei ist bei allen Veranstaltungen der Bekanntheitsgrad der Bands bunt gemischt. Von Newcomern bis hin zu über Jahre lang erfolgreiche Bands ist alles geboten. Es gibt aber auch Festivals, die nur wenige bekannte Bands aufweisen können und durch kostenlosen Eintritt viele Besucher anlocken. Eines dieser Festivals ist “Das Fest” in Karlsruhe. Vom 20.07. bis 22.07. findet auf der Günther- Klotz-Anlage eines der größten Festivals bei freiem Eintritt in Deutschland statt, das sich allein durch Werbung und Getränkeeinnahmen finanziert.

Architekten bei der Arbeit
Architekten bei der Arbeit

Das Programm

Wie jedes Jahr stechen beim Line- Up der Bands wieder einige Namen hervor. So ist dieses Jahr die Berliner Band Beatsteaks der Headliner für “Das Fest”. Die Punk – Rock Band veröffentlichte dieses Jahr ihr fünftes Album und tourte schon durch Europa und Amerika. Ihr Auftritt findet am Samstag, den 21.07, ab 21:30 Uhr auf der Hauptbühne statt. Auch am Freitag ist mit Sunrise Avenue eine Band im Aufgebot, die Fans in ganz Europa verzeichnet. Die finnische Band wurde dieses Jahr in Deutschland mit Gold für ihr Debütalbum “On The Way To Wonderland” ausgezeichnet. Für Sonntag ist der „Headliner“ noch nicht bekannt gegeben. Aber nicht nur auf der Hauptbühne wird Musik gespielt, sondern auch auf der Zelt- und DJ Bühne. Der Freitag steht auf der Zeltbühne ganz im Zeichen des HipHop neben einem Freestyle Battle tritt Nico Suave zusammen mit Denyo auf. Der Hamburger Nico Suave und das Beginner Mitglied Denyo sind in der Szene bekannt. Ihre Rapmusik zeichnet sich nicht durch derbe Texte aus, sondern soll gute Laune verbreiten. Die DJ Bühne spielt am Freitag House und Techno, am Samstag Drum and Bass und am Sonntag Mixed Music. “Das Fest” hat für seine Besucher nicht nur Musik zu bieten, sondern auch ein großes Rahmenprogramm. Am Samstag und am Sonntag findet das 5. nationale Volleyclub Tunier und ein Beachvolleyballtunier statt. Des Weiteren wird der C.O.S Halfpipe Cup ´07, die offizielle Deutsche Meisterschaft im Skateboard in der Halfpipe, ausgetragen. Profis und Amateure kämpfen von Freitag bis Sonntag um den Titel des „offiziellen Deutschen Meisters Skateboard Halfpipe“. Außerdem findet auch der „Titus Karlsruhe Miniramp Cup´07“ statt, für den Teilnehmer aus ganz Deutschland erwartet werden. Einige Fahrer des Europa-Skateboardprofiteam von Vans werden auf der Miniramp ebenfalls eine Show vorführen. Neben den sportlichen Angeboten wird auch was fürs Auge gezeigt. Die „Colling & Friends Sub Urban Fashion Show“ zeigt am Samstag und Sonntag eine Modenschau unter dem Motto “Die Lust sich darzustellen und zu unterscheiden nennt man auch Stil”.

Der “Mount-Klotz”
Der “Mount-Klotz”

Hier rockt der Architekt

Neben den musikalischen Highlights bietet “Das Fest” vieles mehr. Wie jedes Jahr haben die Veranstalter von “Das Fest” mit den Architekten der Uni Karlsruhe zusammengearbeitet und verschiedene Projekte auf die Beine gestellt. Bei der Planung der Entwürfe ging es auch dieses Mal wieder heiß her. Nach heftigen Diskussionen wurden die Stifte gezückt bis die Köpfe rauchten. „ Man hat ja immer das Bedürfnis die Projekte der letzten Jahre zu übertreffen“, erkärte die Architekturstundentin Daniela. Denn der Getränkeausschank aus Coca-Cola-Flaschen 2005 war klasse und auch der Desperados Turm 2006 war ein echter Hingucker.

RÖR_BRO, CUBE X und Solar Wasserturm

So heißen die Projekte für 2007, die alles bisher Da-Gewesenes überragen sollen. “Eine Brücke für das Fest muss her” dachten sich die Architekten Daniela Kröhnert, Benedikt Gondolf, Annika Janthur und Raffaele Maier sowie die Mechatroniker Ronald Bella und Stephan Jellinghaus und schufen mit RÖR_BRO eine grandiose Idee. Bei dem Entwurf handelt es sich um eine Brücke, über die die Festbesucher von einem Ufer zum anderen gelangen. Ein „normaler Steg“ wäre jedoch völlig unscheinbar und wenig spektakulär für ein Event wie “Das Fest”. Also entwarfen die kreativen Köpfe eine bei Nacht leuchtende Röhre als Blickfang. Das Prinzip scheint einfach. Zunächst wird ein Steg gebaut, damit die Besucher über die Alb gelangen. Um die Aufmerksamkeit schon von weitem auf das Werk zu richten, planen die Studenten eine Stahlröhre um den Steg zu bauen. Eine durchsichtige Stoffumspannung lässt die Röhre leicht und filigran erscheinen. Durch LEDs, die an der Röhre angebracht sind, leuchtet die Brücke bei Nacht. Der Clou dabei ist: Wasserräder, die mit Paddeln und Dynamo versehen sind, erzeugen den Strom für das Licht. Dadurch greift das Projekt die Thematik des Klimawandels auf und trägt durch die Nutzung regenerativer Energien zum Schutz der Umwelt bei. Zusammengebaut wird die Brücke aus Elementen, die bereits im Baustellen-Alltag Verwendung finden. So bestehen zum Beispiel die Paddeln zur Stromerzeugung aus echten Schneeschippen. Dieses Baukastenprinzip erfordert zwar einen zusätzlichen Planungsaufwand, spart jedoch Kosten und die Brücke lässt sich leichter wieder Auf- und Abbauen.

Entwurf des RÖR_BRO
Entwurf des RÖR_BRO

Ein weiteres Anliegen der Fest- Macher war die Neugestaltung der Mixery Bühne. „Hier war dringend Zeit für was Neues“ dachten sich Jonathan Tapai und Philipp Wode. Die beiden Studenten verwandeln die alte Mixery- Bühne. Der Cube X ist ein Quadrat unter dessen Außenhaut Leuchtstoffröhren befestigt sind. Diese sind an die Musik gekoppelt und verleihen der Bühne eine pulsierende Beleuchtung. Für Abkühlung von der großen Hitze sorgt der Turm mit interaktiven Wasserspielen. In Zusammenarbeit mit sieben Architekturstudenten und zwei Fahrzeugtechnikern wird der Entwurf von Angelika Günter in die Realität umgesetzt. Die ganze Apparatur wird durch Solarenergie betrieben und läuft nach dem Motto: „Je mehr Sonne – desto mehr Wasserspiele“. Um das ganze Projekt realisierbar und für arme Studenten finanzierbar zu machen, kann die Nordseite des Turms als Werbefläche genutzt werden. Eine Einmalige Gelegenheit sich dem großen Publikum bei “Das Fest” zu präsentieren.

Bei so viel Aufwand ist es schade, dass die Architektur “Das Fest” nicht überdauert. Die zahlreichen Jogger und Spaziergänger erfreuen sich sicherlich das ganze Jahr über den Anblick einer Eyecatcher Brücke, die Atmosphäre des Cube X würden sich für kleine Open Air Feste in lauen Sommernächten anbieten und an den Wasserspielen des Turms könnte man sich den ganzen Sommer über erfrischen. Doch alles im Leben hat ein Ende. Deshalb genießt das bunte Treiben musiklischer Klänge in atemberaubenden Hängen zwischen raffiniert gestalteten Bauelementen.

Stefan Brunnengräber und Katrin Hemminger

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