Studentisches Wohnen

Von der Bude zum Luxusappartement

Studentisches Wohnen„Bloß weg von zu Hause“ denkt man sich als angehender Student. Doch nach der oft schwierigen Studienwahl, steht man schon vor der nächsten Entscheidung: „Wohnheim, WG oder doch alleine – das ist hier die Frage.“ Wie lebt der Student von heute? Wir haben das studentische Wohnen genauer unter die Lupe genommen.


Denkt man an studentisches Wohnen, kommt einem zuerst die Wohngemeinschaft in den Sinn. Laut der Sozialerhebung des Studentenwerks aus dem Jahr 2003 ist die WG mit 28% die beliebteste Wohnmöglichkeit in Karlsruhe. Der moderne Student sucht in der Wohngemeinschaft einen Weg die Grundversorgungskosten, wie die Miete für Küche und Bad, sowie Internet- und andere Gebühren, möglichst effektiv zu teilen und zu vermindern. Für viele steht natürlich auch das gemeinschaftliche Miteinander im Vordergrund.

Chaoszimmer
Typisch Student?

Keine WG gleicht der anderen: Von der reinen Männer-WG, die nur putzt, wenn Frauenbesuch ansteht, über die Groß-WG, die jeden Abend zusammen um die Häuser zieht bis zur Zwei-Personen-Minimal-WG, die getreu dem Motto „Drei Meter Luftlinie sind kein Grund auf ICQ zu verzichten“ fast ohne Face-to-Face Kommunikation auskommt – jede Variante ist denkbar.

Bei aller Vielfalt kann man Wohngemeinschaften grob in zwei Kategorien aufteilen: Die reine Zweck-WG sowie die Nicht-Zweck- oder Wohlfühl-WG. Während sich eine Zweck-WG nur aus ökonomischen Gründen zusammenfindet, steht bei den Wohlfühl-Wohngemeinschaften das Miteinander an erster Stelle. Jedoch entstehen gerade hier Probleme, wenn zum Beispiel in die einst so „verkuschelte“ Wohlfühl-WG ein Neuer einzieht, der nicht so recht dazu passen will.

Um sein WG-Leben zu beginnen, stehen einem prinzipiell zwei Möglichkeiten offen. Entweder man sucht sich eine bestehende WG, die auf der Suche nach einem neuen Mitbewohner ist und stellt sich dort dem Vorstellungsgespräch oder man sucht sich selbst mit ein paar – möglichst wohnkompatiblen – Bekannten eine schnuckelige Bleibe und gründet selbst eine Wohngemeinschaft. Da viele Vermieter ungern Verträge mit Gruppen abschließen, klärt man die Mietsituation am besten vorher gründlich. Oft muss entschieden werden, wer sich als Hauptmieter eintragen lässt und somit die Verantwortung trägt. Auch unter noch so guten Bekannten sollte ein ordentlicher Untermietervertrag geschlossen werden. Denn beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf.

„Einmal Zimmer mit allem, bitte!“

Wer lieber auf feste und organisierte Strukturen zurückgreifen will, sollte ins Wohnheim ziehen – wie 12% der anderen Karlsruher Studenten. Insgesamt gibt es in Karlsruhe 28 Wohnheime. 18 verwaltet das Studentenwerk und 10 sind Wohnheime anderer Träger. Die meisten residieren nicht weit entfernt vom Kampus der Universität, was sich besonders bei den ungeliebten „8 Uhr-Vorlesungen“ als sehr angenehm erweist.

Das „Zimmer von der Stange“ offeriert eine durchschnittliche Größe von 12m². Susan, 22, Bewohnerin des Augustin-Bea-Hauses: „Ich such’ mein Zimmer eh nur zum Schlafen und Lernen auf, da ist die Größe mehr als ausreichend.“ Die Bäder und Küchen teilt man mit den anderen Bewohnern. Unter den Bewohnern herrscht meist eine freundschaftliche, oft sogar familiäre Atmosphäre.

Wohnheime
Die Wohnheime der Willy-Andreas Allee

Viele neue Leute aus verschiedenen Ländern kennenzulernen, ist im Wohnheim kein Problem. Neben den wöchentlichen Bar-Abenden und Etagen-Partys werden noch zahlreiche andere Aktivitäten angeboten. Zur Koordination und Organisation dieser Veranstaltungen gibt es Tutoren, frei nach dem Motto: „Von Studenten für Studenten“. Das Leben im Wohnheim ist mehr als wohnen, essen, schlafen und lernen. Es gibt Wohnheim-Tanzkurse, Kochkurse, Heimsport, kulturelle Veranstaltungen, Fotolabore und vieles mehr. Für eine reibungslose Internetanbindung sorgen die heimeigenen Tutoren. Grundsätzlich wird erwartet, dass sich jeder Bewohner für die Gemeinschaft engagiert. Doch das ehrenamtliche Engagement zahlt sich aus: Nirgendwo ist die Miete so günstig wie im Wohnheim, außer daheim.

„Ja, ist gut Mama …“

Ein voller Kühlschrank, frische Wäsche, ein geputztes Bad und immer „lecker Essen“ auf dem Tisch – Vorzüge gibt es viele. Natürlich zahlt man den Service von „Hotel Mama“ mit einem hohen Preis. Ein gutes Stück der „studentischen Freiheit“ geht einem leider verloren. Keine wilden Studentenpartys im Haus, keine nächtlichen Koch- und Fressorgien. Ein richtig verlottertes Studentenleben hat hier kaum eine Chance. Trotzdem wohnen 25% der Karlsruher Studenten bei Eltern oder Verwandten. Viele nehmen hierfür sogar extrem lange Anfahrtszeiten in Kauf. Ein unfreiwilliges Extrembeispiel ist der 22-Jährige Tobias, der seit diesem Wintersemester Maschinenbau an der Uni studiert. In Karlsruhe findet er derzeit keine Wohnung. Deshalb muss er jeden Tag zwei Stunden von Öhringen nach Karlsruhe und wieder zurück pendeln. „Dienstag ist der härteste Tag, weil ich um 5.30 Uhr aufstehen muss und dann bis 19.00 Uhr Vorlesung habe. Wenn ich dann um halb zehn zu Hause angekommen bin, muss ich gleich wieder ins Bett, da ich am nächsten Tag um 5.30 Uhr wieder aufstehen muss.“ Am Anfang des Semesters kam er bei Kommilitonen unter. Doch in der Prüfungszeit war dies für sie nicht mehr tragbar. „Ich hoffe, dass ich demnächst etwas finden werde. Gerade bin ich selbst im Prüfungsstress, doch danach habe ich zwei Wochen Pause und werde die Wohnungssuche wieder richtig aufnehmen.“

Student allein zu Haus

Luxuswohnung
Kein Katalogfoto:
Luxuszimmer eines Studenten

19% aller Karlsruher Studenten leben allein. Ob in einer Ein- oder Drei-Zimmerwohnung, der alleinlebende Student genießt die Ruhe und ist der „Herr im Haus“. Der Bewohner entscheidet selbst, ob er putzt oder nicht – der Streit um das Putzen entfällt. Dafür nimmt der eine oder andere schon mal eine höhere Miete in Kauf.

Die Steigerung zum Ein-Zimmerbewohner ist der Premium-Student. Er lebt „First Class“ und gönnt sich neben exklusiven Mobiliar auch mal gerne ein Putzfrau. Um sich das Studieren so angenehm wie möglich zu machen, ist der „Stehkragen-Träger“ auch immer mit den neuesten Hightech-Spielzeug ausgestattet. Das alles können sich nur wenige leisten. Für viele ist das exklusive Wohnen ein Traum, den sie sich erst nach dem Studium verwirklichen können. Viele Studenten durchwandern in ihrer Studienzeit mehrere Wohnformen. Die erste Wohnung ist für jeden Studenten eine Herausforderung, egal wo er lebt. Das studentische Wohnen ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil des Studentenlebens. Hier macht man viele wichtige Erfahrungen und ist für das weitere Leben bestens vorbereitet.

Caroline Schlegel und Patrick Borgeat
Comic
Comic: Niklas Horn

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Eine Reaktion zu “Studentisches Wohnen”

  1. » Blog Archiv » Blogger sucht WG-Zimmer in Trier

    [...] Comic: Niklas Horn via KA.mpus [...]

Einen Kommentar schreiben