Musisch interessiert – technisch begabt

Musisch interessiert – technisch begabtSeit drei Semestern profiliert sich der Hochschulstandort Karlsruhe mit dem europaweit einzigartigen Studiengang Musikwissenschaft/ Musikinformatik an der Hochschule für Musik. Dessen Teilgebiete können auch separat im Nebenfach von Studenten der Universität belegt werden. Studiert wird nicht nur im Hörsaal und in der Bibliothek von Schloss Gottesaue, sondern vor allem in dem gut ausgestatteten hochschuleigenen Computerstudio.

May liest
Die alten Meister studieren

Wie viele Universitäten ist auch die Universität Karlsruhe dabei ihr Fächerangebot zu straffen. Dies hat zur Folge, dass mehrere Studiengänge, vor allem im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften, umstrukturiert oder gar geschlossen werden müssen. Ein Fach wie die Musikwissenschaft wäre an einer Technische Hochschule untergegangen und so wurde das Institut an der Universität geschlossen. Was sich zunächst traurig anhört, war für die Musikwissenschaft in Karlsruhe eine neue Chance. Die Hochschule für Musik nahm dieses Institut auf und eröffnete es neu. Neben der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem bekam das Fach einen neuen Schwerpunkt: Die Musikinformatik. Seit 1988/89 besteht an der Hochschule für Musik mit Prof. Dr. Thomas A. Troge bereits eine Professur für Musikinformatik. So lag es nahe, die historische Musikwissenschaft mit einem innovativen Schwerpunkt aufzuwerten. Die Musikinformatik ergänzt das weite Feld der traditionellen Musikwissenschaft um eine aktuelle und zukunftsorientierte Komponente.

Nebenfachalternativen: Musikwissenschaft und Musikinformatik

Zwischen der Universität und Hochschule für Musik besteht ein Kooperationsvertrag, der es ermöglicht, dass Uni-Studenten an der Musikhochschule die Nebenfächer Musikwissenschaft oder Musikinformatik im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften und als nichttechnisches Wahlfach in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen belegen können. Im Bachelor-Studiengang muss neben dem Hauptfach Musikwissenschaft/Musikinformatik ein Ergänzungsfach studiert werden, das entsprechend aus dem Angebot der Universität gewählt werden kann. Dem Bachelor-Abschluss kann ein Master angeschlossen werden, der einer Spezialisierung und Vertiefung dient. Im Masterstudiengang muss zwischen dem Fach Musikwissenschaft und der Musikinformatik entschieden werden.

Musikwissenschaft im Hier und Jetzt

May mischt
Arbeit mit der Audiotechnik

Längst hat der Computer in vielen Bereichen der Musik und des Musiklebens Einzug gehalten. Selbst aus dem zunächst handwerklich theoretisch erscheinenden Fach Musikwissenschaft ist der Computer nicht mehr wegzudenken. Die modernen Musikwissenschaftler sitzen nicht nur in den Bibliotheken, sondern beschäftigen sich außerdem mit digitaler Audiotechnik (digitaler Audioschnitt, digitale Klangerzeugung etc.) und musikalischer Datenverarbeitung (Notensatz-Automatisierung, informationstechnische Musikanalyse etc.) Dies spiegelt sich im künstlerischen Schaffen heutiger Musiker und Komponisten wieder, die versuchen, mit Hilfe der Digitaltechnik neue Formen der Kreativität zu erlangen. Nicht zuletzt ist ein Großteil der heutigen Kunst- und Unterhaltungsmusik ohne diese informationstechnische Errungenschaften nicht denkbar. Musikinformatik zu studieren bedeutet nicht ausschließlich „programmierend“ vor dem Rechner zu sitzen, sondern auch intensive Beschäftigung mit der Musikgeschichte der letzten 100 Jahre. Hier werden klassische Analyseverfahren aus der Mathematik, Physik und Akustik auf die Musik übertragen. Somit lässt sich der Kreis schließen, den schon die antiken Philosophen mit ihrer gedanklichen Verbindung von Mathematik und Musik beschworen hatten.

Ein zentraler und zukunftsbezogener Forschungszweig ist die KI-Forschung (künstliche Intelligenz) in der in Verbindung mit der Neurophysiologie dem Verständnis künstlerischer bzw. kreativer Prozesse auf den Grund gegangen wird. In dieser neuartigen Kombination, zweier historisch gesehen unterschiedlicher Fächer, soll der Praxisanteil einerseits und der Forschungsteil andererseits die Absolventen gut auf kommende Arbeitsanforderungen vorbereiten und ihre Einstellchancen verbessern.

Caroline Schlegel und Niko Beer

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