Studieren in Bella Italia

Wer träumt manchmal nicht davon, einfach alles hinter sich zu lassen, ins Ausland zu gehen und die große weite Welt kennen zu lernen? Diesen Traum können sich Geisteswissenschaftler der Universität Karlsruhe mit ein bisschen Engagement und natürlich Mut problemlos erfüllen. Denn die Fakultät ermöglicht Auslandssemester von Tromsö in Norwegen bis nach Tunis in Tunesien. Zwei Germanistikstudentinnen haben die einmalige Chance genutzt und berichten nun über ihren Auslandsaufenthalt in Bergamo, Norditalien.


Anna Wiegel und Mareike Emmert studieren im fünften Semester Germanistik und Kulturwissenschaften an der Universität Karlsruhe und haben beschlossen, von September bis Februar die badische Lebensweise gegen das „dolce Vita“ Italiens zu tauschen.
Ermöglicht wurde ihr Austausch durch die seit Jahren bestehende Kooperation zwischen der „Facoltà di Lingue e Litterature straniere der Università degli Studi di Bergamo“ in der Lombardei und der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Karlsruhe, die im Rahmen des EU-Programms Erasmus/Sokrates gefördert wird. Pro Studienjahr können somit auf der einen Seite fünf Geisteswissenschaftler aus Karlsruhe ein Semester oder ein akademisches Jahr in Bergamo verbringen. Auf der anderen Seite stehen in Karlsruhe vier Plätze für Austauschstudenten aus Italien zur Verfügung.

Gruppenbild Erasmus
Viva Erasmus

An der geisteswissenschaftlichen Fakultät interessierten sich neben Studenten der Kunstgeschichte und der Musikwissenschaften vor allem die Germanisten für einen Italienaufenthalt, berichtet Prof. Dr. Andreas Böhn, der seit fünf Jahren den Austausch zwischen Bergamo und Karlsruhe betreut. Spezielle Voraussetzungen für die Bewerber, wie deren allgemeine Studienleistungen, gebe es bisher nicht, da die zur Verfügung stehenden Plätze vollkommen ausreichend seien. „Als einzige Bedingung gilt, dass Grundkenntnisse in der italienischen Sprache vorhanden sein müssen“, so der für Bergamo zuständige Professor.

Aller Anfang ist schwer

Die Erfahrung, dass es mit zu Beginn noch geringem italienischen Wortschatz schwierig ist, sich in einem fremden Land zu verständigen, machten auch Anna und Mareike: „Wir konnten vor unserer Abreise kaum Italienisch, weil wir nur einen Sprachkurs während des Sommersemesters belegt hatten. Anfangs ging es also über die englische Sprache, was die Leute hier in Italien nicht so gerne sehen. Mit der Zeit wurde es aber immer besser. Vor allem half uns, dass wir über die Aegee – eine Organisation, die sich um Erasmusleute kümmert – viele Italiener kennen gelernt haben, die alle sehr hilfsbereit waren und uns weitergeholfen haben.“ Am Ende des Semesters habe es dann ganz gut mit der Kommunikation auf Italienisch geklappt, freut sich Mareike. Somit wurden selbst mündliche Prüfungen bewältigt. Der Lernstress hat sich jedenfalls für Anna und Mareike gelohnt. Denn sie können sich die in Bergamo abgelegten Prüfungen anrechnen lassen, erklärt Prof. Böhn, wenn die Inhalte in etwa mit dem vorgegebenen Studienplan aus Karlsruhe übereinstimmen.

Sightseeing, Bummeln, Kaffee und Partys

Bergamo
Altstadt von Bergamo

Bei einem Auslandssemester spielt neben dem Erlernen der Sprache, dem Studieren und dem Einblick in die fremde Kultur das Vergnügen die größte Rolle.
Was hat die Stadt mit ihren ungefähr 115 000 Einwohnern am Tag und bei Nacht zu bieten?
„Bergamo ist als Stadt wunderschön angeordnet“, schwärmt Anna. „Es gibt die Città Alta, die Hohe Stadt, die so genannt wird, weil sie auf einem Berg angelegt ist. Gleichzeitig ist sie auch die Altstadt, mit kleinen verwinkelten Gassen, historischen Gebäuden und einigen gemütlichen Cafés. Die Città Bassa, die Niedere Stadt, ist dementsprechend die moderne Stadt. Hier findet man zahlreiche Kneipen und Restaurants.“ In den verschiedenen Locations Bergamos werde einmal pro Woche eine Erasmus-Party für alle Ausländer organisiert, was die Integration deutlich erleichtert habe, fügt Mareike hinzu.
Die Lage Bergamos biete außerdem einige sehenswerte Ziele in der Umgebung, die alle bequem und preiswert mit dem Zug erreicht werden könnten, so Mareike. Dazu gehören beispielsweise Mailand, Venedig, der Gardasee oder der Comersee.
Doch leider ist nicht alles so billig wie Zug fahren: Bergamo gehöre zu den teuersten Städten Italiens, bedauern die beiden Studentinnen, so dass die Lebenshaltungskosten und auch die Mieten – sie zahlen beide 325 Euro – sehr hoch lägen. Daher müsse man zum Mobilitätszuschuss von Erasmus, der bei 120 Euro im Monat liege, noch einiges hinzusteuern.
Inzwischen rückt der Abschied von Bergamo für Anna und Mareike immer näher, was die beiden ein Fazit ziehen lässt: „Wir können es jedem nur empfehlen, bei einem solchen Austauschprogramm mitzumachen, selbst wenn es nicht unbedingt für das Studium erforderlich ist.“ Denn für sie, fügt Mareike hinzu, sei es eine sehr wertvolle Erfahrung gewesen und ganz klischeehaft die beste Zeit ihres Studiums.

Dorothee Sommer

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