KA.mpus 01/07: Revolution!
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Editorial: Manifest
Revolution – eine abgegriffene Worthülse, die lediglich als Verkaufsetikett für ausgewaschene Che Guevara Shirts dient; ein Thema, das selbst bei Altachtundsechzigern nur mühsam romantische Gefühle weckt und diese kaum noch hinter ihrem mittelständischen Reihenhausofen hervorlockt. Revolution im modernen Deutschland ist bestenfalls ein gesellschaftlicher Ungehorsam. Doch wirft man einen Blick auf die Studentenschaft, die in ihrer Politikverdrossenheit dahintrottet, erkennt man, dass es selbst diesen ermangelt. Schmerzlich an die Studentenbünde des Vormärz erinnert, beschleicht einen leise die Gewissheit, dass vom obrigkeitsstaatlichen Denken, aus welchem nie eine echte Revolution auf deutschem Boden hervorgegangen ist, mehr übrig geblieben scheint, als man im schulischen Geschichtsunterricht wahrhaben wollte. Revolution ist dabei keinesfalls immer mit dem gewaltsamen Umsturz der Systeme gleichzusetzen. Aus dem jugendlich verklärten Traum eines verpickelten Anarcho-Punks ist man als aufgeklärter Humanist schon lange nüchtern erwacht. Das Grundprinzip dahinter, ein kritisches Infragestellen, ein stolzes Nichtallesschluckenwasmanaufgetischtbekommt sollte einem dennoch im Gedächtnis haften. Denn Nonkonformität und Widerstand ruhen auch in kleinen Dingen. Sich gegen Studiengebühren auflehnen. Risiko bei der Berufswahl wagen. Elitäres Gehabe ablehnen, Wurzeln wieder entdecken und feste Regeln sprengen. Revolution – Versuch einer Anleitung für den kleinen Alltagsgebrauch.
Erich Kästner

Mareile Horstmann – Christoph Spangenberg – Peter Klement
Yvonne Krieger – Falk Straub