frei Schnabel: Megaprekäre Sache das …

Wisst ihr was ich gerne von offizieller Stelle, ob nun politisch oder universitär, hören würde? Einen Satz, der mit den Worten „Mal ganz ehrlich …“ oder „So ganz im Vertrauen …“ beginnt. Denn, mal ganz geradeheraus, so wie einige Persönlichkeiten momentan auftreten, wird einem ganz anders.

Oder noch schlimmer: Der Zweifel an der Menschheit verbucht entscheidende Landgewinne, denn er hat es bei allmittaglicher Beschallung über prekäre Themen, wie „Lieber Bi als nie!“ oder „Mein Busen ist echt!“, sowieso ziemlich leicht. Doch dann hört man auch noch Sätze wie „Studiengebühren sind sozial“, „Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job” oder „… Kinderwagen mit Großmüttern bringen Extra-Punkte …“ in den Medien? Da schmerzt es doch im Hinterkopf, so ungefähr beim gesunden Menschenverstand. Man fragt sich, ob sich überhaupt jemand die Mühe macht einen zweiten oder dritten Blick auf das Thema zu werfen. Die Alternative wäre, dass nun nach dem Prinzip „Wer lauter schreit hat recht“ verfahren wird, was jedoch nicht beruhigt, wenn man weiß wer den letzten Schreiwettbewerb gewonnen hat. Aber genug der nebulösen Formulierungen, reden wir mal Klartext: Die bösen Elfenbeintürme sind schuld! Warum? Weil sie sauerstoffarmen Gefilden zustreben und die Einwohner dabei mit Worthülsenkatapulten auf benachbarte Elfenbeintürme schießen – oder politisch korrekt: ballistische Unannehmlichkeiten austauschen. Warum sich aber damit beschäftigen? Schließlich ist es ja nicht das erste und sicherlich nicht das letzte Mal, dass sich jemand über Dinge auslässt von denen er wenig Ahnung hat. Der Haken an der Sache: Die ganzen Geschosse, die da zwischen den Türmen hin und her fliegen, fallen nach unten. Irgendwann steht man da, wundert sich warum der eigene Schatten plötzlich so groß ist, als es auch schon *WHUMP* macht und man von einem großen Brocken mit der Aufschrift „Killerspielespieler“ erschlagen wird. Bevor das passiert, ruhig mal klingeln und fragen ob das wirklich sein muss, notfalls auch lange. Sollte dann tatsächlich mir kleinem, mäßig elitärem, gelegentlich unrasiertem, killerspielespielendem Studenten Herr Stoiber oder Kurt Beck die Tür aufmachen und ich frage wo ich das Omakillenspiel herkriege, dann wird die Antwort wohl „Mal ganz ehrlich, keine Ahnung“ sein. Denn Unterschicht bleibt Unterschicht, genauso wie ein Atomkrieg mit dem Titel „Fest der nuklearen Sonnenpilze“ unerfreulich bleibt. Wäre es nicht schön, wenn alle Beteiligten sich, so ganz im Vertrauen, vor den Elfenbeintürmen treffen würde und darüber reden, dass es da gar keine Omas mit Kinderwägen gibt, dass 600 € eben kein Pappenstiel sind und dass der Titel Prekariat nichts an der Lage ändert.

Peter Klement

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben