Crossgolf: Urbanisierung eines Elitesports

Lust auf Golf, aber abgeschreckt von hohen Preisen, elitärem Gehabe und strengen Regeln? Dann besorg dir einen Schläger, ein paar Bälle und ab geht’s auf die nächste große Wiese. Crossgolf ist eine der Trendsportarten und nicht nur für Studenten mit kleinem Geldbeutel interessant.

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Armin (23)

„Das Geile an Crossgolf ist das Feeling, in der Natur zu sein und das Gefühl des perfekten Schlags, wenn man den Ball richtig trifft und wirklich 200 Meter weit schlägt“, schwärmt der 23jährige Armin Harbrecht, Student des Wirtschaftsingenieurswesens an der Universität Karlsruhe. Das kann soweit auch jeder normale Golfer bestätigen. Schwieriger mit den Gemeinsamkeiten wird es, wenn man in Alltagsklamotten, mit Musik und Bier ungezwungen ein paar Löcher spielen will. Was bei Golfclubs völlig unmöglich ist, ist bei Crossgolfern an der Tagesordnung und macht den Unterschied zum gewöhnlichen Golf aus: Der Verzicht auf nahezu alles, was den normalen Golfsport für die Crossgolfer langweilig macht. Gerade das betont Armin: „Crossgolf ist auch Einstellungssache: Sich treffen, spielen und in der Natur ein paar lockere Schläge machen“, hebt er die soziale Komponente des gemütlichen Beisammenseins unter Freunden hervor. Zurück zu den Wurzeln sozusagen. Denn so begann Golf vor vielen hundert Jahren. Schottische Schäfer spielten querfeldein auf frei wählbare Ziele.

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Abgefahrener Abschlag

Und der wichtigste Unterschied: Crossgolf verzichtet auf strenge Regeln, Etikette und die zum Teil horrenden Summen, die zusätzlich zu der ebenfalls nicht billigen Ausrüstung für Mitgliedschaften, Platzbenutzung und dem Golfführerschein, der so genannten Platzreife, anstehen. Das kommt gerade den oftmals notorisch klammen Studenten entgegen, erst Recht im Angesicht der bald fälligen Studiengebühren. Für die geplanten 500 Euro kann ein Golfer sich ein billiges Komplettset kaufen und höchstens zwei Jahre in einem Club als Student spielen. Der Crossgolfer hingegen besorgt sich gebrauchte Ausrüstung sowie Bälle und investiert den Rest lieberin eine Reise in tropischere Gefilde, um dort seinem Hobby zu fröhnen.

Erste Schritte: Crossgolf für Dummies!

Tobias Kern
Tobias (26)

Aller Anfang ist schwer. Das gilt wie bei den meisten Sportarten ebenfalls für Crossgolf. „Anfangs drischt man nur drauf“, schmunzelt der 26-jährige Tobias Kern in Erinnerung an die ersten Versuche vor etwa vier Jahren. „Dann findet man jemanden, der es einem zeigt und hilft. Und dann schlägt man nur noch ganz leicht anstatt mit voller Kraft und es klappt!“ Der kurz vor seiner Diplomarbeit stehende Mechatronikstudent an der Karlsruher Hochschule rät Anfängern, sich eine Vereinigung oder Gruppe für die ersten Schritte im neuen Leben als Crossgolfer zu suchen. „Die zeigen einem die ersten Tricks und man überwindet den Frust des Nicht-Treffens schneller. Denn die ersten zwanzig Schläge gehen daneben. Aber dann trifft man!“

Ist die Möglichkeit, sich anderen Crossgolfern anzuschließen oder von einem bereits infizierten Freund zu lernen nicht gegeben, kann man sich die Technik des Schwungs bis zu einem gewissen Grade anlesen und sich selbst beibringen. Literatur dazu gibt es genügend sogar kostenlos im Internet. Schließlich ist die Technik die gleiche, ob auf dem altehrwürdigen Rasen vom schottischen Royal and Ancient Golf Club St. Andrews oder im Karlsruher Schlosspark. Eine andere Alternative wären Trainingsstunden beim Profi eines Golfclubs. Das ist mit Sicherheit am teuersten, aber was die richtige Technik anbelangt auch am effektivsten. Golfclubs bieten zudem oft günstige Schnupperkurse an.

Petra
Dreckfontänen gehören dazu

Aber auf ausgefeilte Technik kommt es beim Crossgolf nicht unbedingt an. Außerdem hat auch der ein oder andere Golfer der Weltspitze einen äußerst amüsanten Schwung und platziert die weiße Murmel trotzdem meist noch an der gewünschten Stelle. Zum Üben eignen sich dagegen die Driving Ranges, große Rasenflächen mit Abschlägen an einer Seite. Gegen Gebühr für Nutzung und Bälle können selbige dort nach Herzenslust gen Horizont gepfeffert werden. Dazu gibt es meist Möglichkeiten zum Putten und für Annäherungsschläge. Driving Ranges hat nicht nur jeder Club, sie finden sich auch alleine für sich. Die Vorteile der Driving Ranges liegt klar auf der Hand: Die Bälle sammelt nicht der Spieler auf, und Spaziergänger oder Jogger tauchen nicht plötzlich wie bewegliche Zielscheiben im Blickfeld auf.

Ausrüstung: Gebraucht und günstig!

Bevor die ersten Bälle unwiederbringlich in die Botanik geschlagen werden können, muss mindestens ein Schläger her. Für den Anfang reicht ein 8er oder 9er Eisen, später stehen kleinere Nummern und ein Putter auf dem Einkaufszettel. Je kleiner die Nummer der Eisen ist, desto weiter aber auch schwieriger ist der Schlag. Auf die noch schwieriger zu spielenden Hölzer kann man getrost verzichten. Angehende Crossgolfer können Schläger wie auch Bälle bei einem großen Internetauktionshaus günstig erstehen. Oft gibt es auch ganze Sets im Angebot. Flohmärkte halten manchmal ebenfalls ein Schnäppchen bereit. „Das reicht vollkommen aus“, bestätigt Tobias Kern, denn Ausrüstung zum Crossgolf muss nicht teuer sein. Bälle sollten reichlich vorhanden sein, denn je nach Gelände wird der Ballvorrat mehr oder weniger schnell dezimiert, gerade bei Anfängern. Man kann die kleinen weißen Kugeln natürlich auch absichtlich auf Nimmerwiedersehen verabschieden, wie Tobias es tut. Der versenkt in jedem Gewässer, das seinen Weg kreuzt, einen Golfball. „Das hat sich schon zu einem Brauch entwickelt“, lacht der passionierte Crossgolfer, der gewöhnliches Golf zu spießig findet.

Crossgolf

Nicht unbedingt in der Kaiserstraße!

Der ideale Ort zum Crossgolfen ist menschenleer und weiträumig. Das können Wiesen sein, eine urbane Umgebung, verlassene Tagebaugruben oder industrielle Brachfl ächen. Nur sollte das Spielen legal sein. Öffentliche Parks wie der Karlsruher Schlosspark oder die Günther-Klotz-Anlage eignen sich nur bedingt, denn die wichtigste und beinahe einzige Regel lautet: „Safety first!“ Die Begegnung eines Golfballes mit einem Kopf zieht meist sehr schwere Schäden nach sich, die niemandem zu wünschen sind. „Deshalb sollte man zum Beispiel im Schlosspark lieber auf die abgelegenen Flächen in Richtung Wald gehen“, rät auch Armin. Ist aufgrund der Sicherheit von Passanten das Crossgolfen nicht möglich, können die Spieler immer noch auf leichte Übungsbälle aus Plastik zurückgreifen. Die gibt es im Handel, fliegen nicht weit, gefährden niemand ernsthaft und eignen sich hervorragend zum Üben. Ansonsten, erklärt Tobias, reiche „jedes halbwegs große Grundstück, solange es irgendwas gibt, das man treffen kann.“ Das mag ein Loch im Boden sein, ein Baum, ein Stein, ein Mülleimer oder ein Dixiklo. Gespielt wird übrigens abwechselnd, und wer mit den wenigsten Schlägen das vor Spielbeginn ausgemachte Ziel erreicht hat, ist der Sieger. Andere, mehr oder weniger schwachsinnige Regeln können die Spieler natürlich je nach Stimmungspegel dazu erfinden. Der erste Crossgolfer der Neuzeit dagegen hatte weder ein genaues Ziel noch Regeln. Astronaut Alan Shepard machte 1971 den ersten Abschlag auf dem Mond.

Christoph Spangenberg

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4 Reaktionen zu “Crossgolf: Urbanisierung eines Elitesports”

  1. Armin

    Ich wollte natürlich nicht unerwähnt lassen, dass man Crossgolfschläger auch neu zu einem günstigen Preis bei HOLZundEISEN (http://www.holzundeisen.de) bekommt. Wir betreiben damit Deutschlands ersten echten Crossgolf Laden.

  2. Ackergolfer

    Schick schick… mitten auf der Kaiserstr…. Wo geht ihr denn sonst so spielen, vielleicht können wir uns mal auf ein kleines Match treffen…

    Greetz vom http://www.crossgolf-portal.de aus St.Leon-Rot

  3. christoph

    habe durch neuen setkauf ein altes set zum verkloppen, fange also gerade erst an. wenn du locations um KA kennst – her damit! ;-)

  4. Siggi

    Noch immer Top Aktuell, :-)) heute gibt es Softbälle mit denen lasse ich auch in der Fußgängerzone die Bälle fliegen. ;-D

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