Buch: D. B. C. Pierre – Jesus von Texas

Bauernopfer im Medienhype

Vernon G. Little sitzt in einem Gebüsch und erleichtert sich. Glück für den 15-Jährigen, denn währenddessen ballert sein Kumpel Jesus Navarro in der Schule der texanischen Kleinstadt Martirio wild um sich, erschießt einen Haufen Mitschüler und anschließend sich selbst.

Jesus von Texas

Scheiße passiert halt, und dieses Motto zieht sich wie ein roter Faden durch D. B. C. Pierres bitterböses Erstlingswerk. Weniger glücklich für Vernon, dass er sich für sein Alibi schämt und er trotz der Anschuldigungen niemandem davon erzählt. Für den unschuldigen Held folgt ein erniedrigender Spießrutenlauf der übelsten Art und Weise. Ausgerechnet der neue Freund seiner Mutter, Fernsehreporter Lally, inszeniert ein Medienspektakel und bringt den vermeintlichen Mittäter Vernon als Hauptverdächtigen in die Todeszelle. Doch der glaubt bis zum Schluss an das Gute. D. B. C. Pierre zeichnet ein Bild von Amerika, in dem Politik nicht funktioniert, sämtliche Institutionen versagen und die Macht bei den Medien liegt. Der Autor parodiert deren wahnsinnige Welt mit Reality-Shows, wo selbst im Todestrakt Kameras hängen und die Zuschauer per TED über Begnadigung und Todesart bestimmen.

„Jesus von Texas“ erscheint im Aufbau-Verlag.
ISBN: 3-7466-2150-X

Christoph Spangenberg

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