frei Schnabel: Aufbruch zu neuen Ufern?

Wir haben’s geschafft! Und das, ohne damit zu rechnen, ohne überhaupt nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Der Freitag der 13. überflog uns mit all seiner magischen Grazie und riss uns vom Boden der Tatsachen los. Wir sind jetzt Elite. Ein Traum? Nein, pure Realität! So deutlich, klar und scharf wie in einem HD-ready – Fernseher. (Wurde HDTV eigentlich im Technologiezentrum Karlsruhe erfunden? Vielleicht direkt an unserer angebeteten Technischen Hochschule? Ohne Zweifel ist das möglich – wir trauen uns das zu!)

„Elite“ – Ein klangvolles Wort, das man sich erst auf der Zunge zergehen lassen sollte. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Die Zukunft hat begonnen. Wir haben von nun an die Ehre, an vielen qualitativ hochwertigen und mitreißend aufbereiteten Vorlesungen teilzunehmen, uns zeitlich uneingeschränkt in der Elite-Bibliothek einzuschließen, unseren Marktwert und das Bruttosozialprodukt durch das konstante Aufsaugen der Primär-, Sekundär- und „x>∞“-Literatur zu steigern. Falls wir uns dabei etwas überbeanspruchen sollten, haben wir ja noch die Möglichkeit, uns im Zwecke der Erhöhung der Lernkonzentration mit dem Material anderer Institute abzulenken, in den Pausen Stundenpläne für das Studium Generale zusammenzustellen und uns bei den zahlreichen vielseitigausgerichteten Hochschulinitiativen zu engagieren. Fast schon zur Entspannung gönnen wir uns dann noch einige Stunden in Laboratorien, um die Forschung voranzutreiben. Und wir haben außerdem bei all dem das Vergnügen, uns Elite zu nennen und uns auch so zu fühlen.
Im Gegensatz zum selbstlosen und schweißtreibenden Recherchieren, Analysieren und Referieren – kurzum: Studieren – sind wir das jedoch nicht gewohnt. Unser Studium schaffen wir beinahe mit links – das liegt uns schließlich in den Genen: Röntgen, Planck, Hahn und Einstein haben uns diese Gabe bereits in die Wiege gelegt. Das Neue und Unerfahrene ist aber das Elite-Dasein. Jungfräulich und erwartungsvoll schauen wir unserem Titel entgegen. Aus unserer zum Teil jahrelanger Studiumserfahrung wissen wir: kein Problem ist unlösbar! Kühn sehen wir uns um und finden rasch in den herumliegenden Büchern den Schlüssel zur Lösung: Es existiert eine Reihe psychologischer Methoden, die eine positive Wirkung auf das limbische System eines jeden Homo Fabers auslösen. Dank dieser Methoden könnten schon die winzigsten Kleinigkeiten unseres täglichen Lebens – wie beispielsweise weiches mehrlagiges und saugfähiges Toilettenpapier mit dem Logo unserer geliebten Elite-Universität – uns dabei helfen, unser verdientes Eitelkeitsempfinden zu stärken und ehrgeizig neue bisher unerreichte Ufer der Weisheit anzusteuern.

Darya Starostina

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